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38/2017 - Was im Wahlkampf fehlt (Rudolf Mitlöhner)
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Ungelesen 20.09.2017, 08:37
Was im Wahlkampf fehlt

Die Parteien und ihre Spitzenkandidaten lassen die Wählerinnen und Wähler über ihre Positionen in vielen grundlegend-weltanschaulichen Fragen weitgehend im Unklaren.

| Von Rudolf Mitlöhner


Den Grünen ist für ihre Klarheit zu danken. Sie machen in ihrer Kampagne deutlich, wofür sie stehen: für mehr (grünes) Europa, für sogenannte inklusive Bildung (inklusive Gesamtschule), für die „Ehe für alle“, für die Energiewende, für Mietzinsobergrenzen (gerne mit einem Schuss Klassenkampf – „kein Artenschutz für Miet-Haie“ sagt die Partei, die sich sonst den Artenschutz auf ihre Fahnen heftet). Egal, wie man dazu steht – da weiß man, woran man ist. „Das ist grün“, heißt es zu den einzelnen Themen/Sujets lapidar.
Diese Klarheit lassen die politischen Mitbewerber vermissen. Was rot, schwarz/türkis, blau, pink ist, bleibt vergleichsweise vage. Natürlich, man kennt die Parteien einigermaßen, weiß um ihre prinzipielle Orientierung und Positionierung, da und dort wurden auch Duftmarken im Wahlkampf gesetzt. Aber so ganz schlau wird man nicht. Mehr noch als die Unschärfe irritiert, dass viele Themen überhaupt ausgespart werden. Vor allem wüsste man doch gerne, für welches Menschen- und Gesellschaftsbild die einzelnen Parteien und ihre Spitzenkandidaten einstehen, welche Erzählung von der Zukunft des Landes (in Europa) sie anzubieten haben. Mit anderen Worten: es bräuchte so etwas wie eine „Leitkultur“-Debatte (unabhängig davon, ob man den Begriff nun ablehnt oder nicht) – im Sinne einer Auseinandersetzung darüber, was unsere Gesellschaft ausmacht, was sie zusammenhält.

Das ist grün …

So werden gesellschaftspolitische Fragen kaum thematisiert. Welche Rolle spielen Ehe und Familie? Der St. Pöltner Bischof Klaus