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49/2007 - Alternativ heilen
  #1  
Ungelesen 04.12.2007, 12:09
Alternativ heilen

Schon einmal Homöopathie oder Akupunktur gegen die winterliche Erkältung probiert? Viele Menschen machen gute Erfahrungen mit alternativer Medizin. Die Wissenschaft hingegen interessiert, warum und wie diese Künste wirken. Nur eine Heilmethode fristet ein Schattendasein: die heimische Kräutermedizin.

Wer heilt, hat noch nicht Recht

Heilen mit nichts

Akupunktur entmystifiziert

„Die fliegen lieber nach Tibet“
  #2  
Ungelesen 05.12.2007, 11:38
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Viel Kluges

Selten habe ich so viel Kluges zu dem Thema gelesen, wie in dieser Ausgabe der FURCHE.
Herzlichen Glückwunsch!
Univ.-Prof. Dr. Josef Smolle
Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation
Medizinische Universität Graz
8010 Graz, Billrothgasse 18a/7
josef.smolle@meduni-graz.at
  #3  
Ungelesen 06.12.2007, 08:52
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Gute Zusammenfassung

Wieder einmal eine gute Zusammenfassung eines kontroversen Themas. Gratulation der FURCHE für das gesamte Dossier!
Zwei kleine Anmerkungen:
1. Im Kasten „Böse Grundstoffe“ zu Frau Federspiels Artikel scheint auch die Tinte der Tintenfische auf (im Fachjargon auch „Sepia“ genannt). Diese wird allerdings schon seit langem als Lebensmittelfarbstoff – etwa für die schwarzen Spaghetti – verwendet. So böse ist dieser Grundstoff also wieder nicht. Das soll aber nicht heißen, dass alles in der Homöopathie harmlos ist. Die Giftigkeit der anderen in der Liste genannten Stoffe ist hinlänglich bekannt, und nicht immer werden diese in solchen Verdünnungen (Potenzen) verschrieben, dass die Giftwirkung vernachlässigbar ist. Und die gegebene Liste war ja nur eine Auswahl: Stibium D4 etwa (Antimonglanz) kommt im Zusammenwirken mit unserer Magensäure schön an die Grenze der Toxizität dieses Schwermetalls heran, für welches keine Funktion in unserem Körper bekannt ist (anders etwa als beim ebenfalls giftigen Cadmium). Ich habe auf die Einnahme dieses gegen Auswirkungen einer Borreliose verschriebenen Mittels verzichtet.
2. Auch Gratulation zur „Bekanntmachung“ von Doz. Machatschek, den ich auf Grund seiner Artikel im „Kleingärtner“ sehr schätze und dessen Erkenntnisse durchaus in meine Vorlesung „Naturstoffchemie“ einfließen.
Univ.-Prof. Dr. Helmut Hönig
Institut f. Organische Chemie
Technische Universität Graz
8010 Graz, Stremayrgasse 16
helmut.hoenig@tugraz.at
  #4  
Ungelesen 06.12.2007, 12:44
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Diffamierend

Ich bin von dem Artikel über Homöopathie sehr enttäuscht, alleine die Überschrift ist diffamierend. Die Autorin hat wohl nicht sehr gut recherchiert, denn sonst wüsste sie z. B., dass Homöopathie bei Babys und Kleinkindern sehr gut helfen kann, und da ist ein Placebo-Effekt wohl eher auszuschließen.
Eine 200 Jahre alte Heilmethode als völlig nutzlos hinzustellen, ist traurig. Auch eine Liste mit gruselig klingenden Grundstoffen ohne weitere Erklärung zu veröffentlichen, halte ich für unseriös.
Auch zur TCM ließe sich mehr sagen, die wirkt in China schon über 2000 Jahre …
Schade, dass das interessante Thema der Alternativmedizin so ungenügend behandelt wurde!
  #5  
Ungelesen 09.12.2007, 23:16
helmar helmar ist gerade online
 
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Alles, was Recht ist!

Recht haben die, die möglichst viele teure Studien finanzieren können, nur die mit den „passenden“ Ergebnissen veröffentlichen – und das oft mit Angaben, die selbst die bescheidensten Resultate großartig erscheinen lassen (z. B. relative Risikoreduktion statt number needed to treat). Recht haben die, die schon bald ihre Patienten nach raschem Durchlauf durch die Diagnosestraße nach den vom Computer ausgespuckten evidenzbasierten Vorgaben behandeln werden – und nur die werden dann noch Recht haben. Recht haben auch die, die mit Kanonen auf Spatzen schießen, solange es der Baum, auf dem die Spatzen sitzen, gerade noch aushält.
Nicht Recht haben dagegen z. B. Eltern, die ihrem Kind die sechste Antibiotikatherapie in kurzer Abfolge ersparen, oder chronisch Kranke, die den Rückweg aus der Chronifizierung versuchen wollen und sich mit diesen Anliegen an einen Homöopathen wenden. Und schon gar nicht Recht haben diese sturköpfigen Homöopathen selber, die ohne Legitimation durch die Wissenschaft, allein auf ihr ohne jede Evidenzbasis dastehendes Heilsystem und die damit gemachten (wahrscheinlich durch eine unangenehme Verquickung von Wunschdenken und Betriebsblindheit entstandenen) positiven Erfahrungen vertrauend, versuchen, diesen Leuten zu helfen.
Angeblich gehen immer noch einige „profil“-Leser zum Homöopathen, und vielleicht werden sich auch manche Leser der FURCHE durch die jetzt auch in dieser Zeitung vorzufindenden (und schon eher als Kampagne, denn als kritische Berichterstattung imponierenden) Artikel nicht abschrecken lassen. Es gibt sicher mögliche Kritikpunkte, und jemand, der auf wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit Wert legt, wird mit der Homöopathie (noch?) nicht glücklich werden. Was mir aber zu denken gibt, ist das völlige Fehlen einer auch nur angedeuteten möglichen Gegenposition und eine Argumentation, aus der fast so etwas wie ein Vernichtungswille spricht. So werte ich etwa den Verweis auf die medizinischen Versuche der Nazis, die wohl nur zum geringsten Teil die Homöopathie betroffen haben.
Würde ich – als Arzt, der einen Teil seiner beruflichen Zeit der Homöopathie widmet – derartige Anwürfe ernst nehmen, bliebe mir nur noch die Entscheidung zwischen verblendeter Unbedarftheit und Gewissenlosigkeit. Beides möchte ich hier gerne zurückweisen!
Dr. Helmar Feigl
3323 Neustadtl, Kleinwolfstein 49
  #6  
Ungelesen 10.12.2007, 11:03
k.unterrieder@aon.at k.unterrieder@aon.at ist offline
 
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Vier Fragen

Zur Polemik von Krista Federspiel habe ich ein paar Fragen an die Autorin, deren Antworten mich heftigst interessieren.
Frau Federspiel schreibt:
„In der Hoffnung auf Einsparungen im Gesundheitswesen erprobte man im Dritten Reich neuerlich homöopathische Mittel – mit letalen Erfolgen für die Patienten. Doch das fatale Ergebnis wurde erst in den 1960er Jahren publik. Seit damals mehrten sich die kritischen Stimmen.“ Weiters führt sie an, homöopathische Behandlung sei gefährlich und habe schon mehreren Menschen den Tod gebracht (Stichwort Malariaprophylaxe).
Frage 1: Halten Sie Tests und Erprobungen des nationalsozialistischen Reichsgesundheitsamtes für verlässlich, seriös – und wollen Sie sich ernsthaft darauf berufen bzw. finden Sie es angebracht, auf der Grundlage medizinischer Versuche im Nationalsozialismus die Homöopathie anzugreifen?
Frage 2: Fänden Sie es angebracht, aufgrund der im Dritten Reich von Ärzten durchgeführten Tests, Versuche und Erprobungen, die für die Patienten letal endeten, gegen die Schulmedizin zu polemisieren?
Frage 3: Wieviele schulmedizinische Behandlungen haben wievielen Patienten den Tod gebracht bzw. wieviele gegen Malaria geimpfte Patienten sind dennoch an Malaria gestorben?
Frage 4: Würden Sie deshalb die Schulmedizin als gefährlich bezeichnen?
In Erwartung Ihrer geschätzten Stellungnahme verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
k.unterrieder@aon.at
Antwort von Krista Federspiel siehe unten!

Geändert von Leserbrief (12.12.2007 um 11:02 Uhr).
  #7  
Ungelesen 10.12.2007, 12:02
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Trügerischer Wahn

Herzlichen Dank an die FURCHE und an die Autoren dieses Dossiers, die hoffentlich verhindern geholfen haben, dass die Menschheit mühsam erarbeitete Forschritte der letzten Jahrhunderte über Bord wirft und sich einem trügerischen Machbarkeitswahn zuwendet, in dem sie Scharlatanen restlos ausgeliefert ist.
Friedrich Griess
f.griess@griess.st1.at
  #8  
Ungelesen 10.12.2007, 12:44
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Geballte Vorurteile

Den Behauptungen von Krista Federspiel möchte ich als Lehrbeauftragte der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin, der über 900 Ärzte angehören,entgegnen. Die homöopathische Heilmethode wird weltweit in 58 Ländern angewandt – und das zum Teil seit über 200 Jahren!
Es hat mich sehr erstaunt, dass sich die FURCHE, die sich sonst mit kritischem Journalismus wohltuend von den übrigen Printmedien in Österreich abhebt, der unseriösen „profil“-Coverstory von Bert Ehgartner (26. 11. 2007) anschließt. Wie Ehgartner schon 2005 zitiert auch Federspiel die von der medizinischen Fachwelt schon längst als Falschmeldung entlarvte Meta-Analyse des Schweizer Epidemiologen Matthias Egger. Zu dem sei nur angemerkt, dass auch viele große schulmedizinische Studien oft falsch-negative Resultate zeigen und dass sich häufig Studien zur Effektivität eines Medikaments widersprechen.
Weiters wird die Wirksamkeit der Homöopathie auch vom Autor des Dossiers, Thomas Mündle, als reiner Placebo-Effekt beschrieben, obwohl dies schon längst widerlegt wurde, wie nachzulesen ist: www.homeopathyeurope.org (ECH News). Es gibt mittlerweile über 100 placebokontrollierte Doppelblindstudien sowie Experimente an Körperzellen und Tieren, die die Wirksamkeit für die Homöopathie belegen. Unsere ärztliche Praxis zeigt u. a. bei schwerkranken Säuglingen (Dr. Bettina Baltacis vom Krankenhaus der Rudolfstiftung in Wien hat 2006 dafür einen Forschungspreis erhalten!), kleinen Kindern und (Koma-)Patienten auf der Intensivstation, dass sie – oft auch bei Versagen der Schulmedizin – wirkt. Prof. Michael Frass vom AKH Wien hat dazu schon öfters publiziert.
Glauben Sie wirklich, dass sich die Homöopathie bei diesen Erfolgen, die auch durch Anwendungsbeobachtungen im Vergleich zur Schulmedizin (IIPCOS I und II) nachzuweisen sind, und bei einer mehr als 200-jährigen Tradition weltweit nur über den Placebo-Effekt, der in allen Bereichen der Medizin eine Rolle spielt, erklären lässt?
Natürlich steht der endgültige Beweis, wie Homöopathie wirkt, noch aus – sicher ist es jedenfalls keine materielle Wirkung, wie auch Federspiel meint. Nur, was soll dann der Verweis auf die „bösen“ Grundstoffe in den Arzneien, wenn kein Molekül mehr drin ist? Weiters werden von ihr auch die wissenschaftlichen Grundlagen der Homöopathie, die Arzneimittelprüfungen, methodisch falsch beschrieben.
Mittlerweile gibt es viele Erklärungsmodelle für die bioinformative Wirkungsweise homöopathischer Arzneien, u. a. aus der Quanten- und Atomphysik, wobei sich Forscher aus diesen Bereichen mit großem Interesse und vorurteilsfrei(!) mit der Homöopathie beschäftigen. Diese Vorurteilsfreiheit hätte ich mir auch zu diesem Thema von der FURCHE gewünscht!
Dr. Rosemarie Brunnthaler-Tscherteu
rosemarie.brunnthaler@utanet.at
  #9  
Ungelesen 10.12.2007, 13:53
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Was heißt hier „wissenschaftlich“?

Evidence-based-medicine durch kontrollierte klinische Studien ist ein Versuch mehr Sicherheit zu gewinnen – soweit Wahrscheinlichkeiten und Prozentzahlen Sicherheit für den einzelnen Patienten bieten können – trotz der kurzen Halbwertszeit medizinischen Wissens. Dennoch haftet diesem Ideal eine große Labilität und Vorläufigkeit an, die Ergebnisse von Studien ändern sich ständig, was heute propagiert wird, ist morgen bereits überholt.
Die Möglichkeiten der naturwissenschaftlich orientierten Medizin sind hinlänglich bekannt. Dass ihr Erfolg aber auf einer reduktionistischen Vorgehensweise, die den Patienten auf wenige Parameter und einzelne beeinflussbare Regelkreise reduziert, beruht, bedingt auch ihre Grenzen. So kann diese Methode dadurch gerade bei chronischen Krankheiten und Krankheitsneigungen nicht der Komplexität des Abwehrsystems gerecht werden. Das auf den Naturwissenschaften basierende Konzept ist ein wesentlicher Weg mit Krankheit umzugehen, es bedarf in vielen Situationen eines anderen.
Ein systemischer Ansatz ist die Homöopathie, eine Reiztherapie, die über die Kenntnis der Reaktionsmuster einzelner Arzneisubstanzen zur Stimulation der körpereigenen Abwehr eingesetzt wird. Grundlegend ist dabei das Ähnlichkeitsprinzip, wobei die Reaktionsmuster der Arzneien den Symptomenmustern der Patienten möglichst ähnlich sein müssen, um ihre Reizwirkung zu entfalten. Die Potenzierung war eine spätere Entwicklung in der Homöopathie, gerade der zitierte Chinarindenversuch wurde mit der damals üblichen Dosierung von Chinarinde durchgeführt.
Eine Heilmethode ins Nichts zu stellen, die von Ärzten an Millionen von Patienten in über 60 Ländern auf der ganzen Welt professionell und erfolgreich angewendet wird, die in Österreich eine dreijährige postgraduelle Ausbildung erfordert und mit einem Diplom der Ärztekammer abschließt, kann im besten Fall nur der Ausdruck großer Praxisferne sein.
Aber es geht den Autoren ja um die Wissenschaft: Homöopathie sei wissenschaftlich nicht plausibel, widerspreche der Logik, den Naturgesetzen und medizinischen Erkenntnissen oder sei, anders gesprochen, „höchst kontraintuitiv“.
Hahnemann führte in die Medizin das reproduzierbare Experiment ein, ganz im Sinn der „experientia ordinata“ eines Francis Bacon, nämlich die Arzneimittelprüfung am Gesunden. Diese Prüfungsergebnisse sind jederzeit wiederholbar und nachprüfbar. Die in verschiedenen Disziplinen unterschiedliche Gestalt wissenschaftlicher Erfahrung muss respektiert werden.
Ein wesentliches Charakteristikum der Homöopathie ist, dass die Therapie immer individuell sein muss, der Patient erhält bei der gleichen Krankheitsdiagnose verschiedene Arzneien. Daher sind für eine evidence-based-homoeopathy eben gerade nicht kontrollierte Doppelblindstudien beweisend. Werden diese aber durchgeführt, widersprechen sie oft gerade in diesem Punkt den homöopathischen Prinzipien. Dennoch ergaben verschiedene solcher Studien und deren Metaanalysen eindeutig positive Ergebnisse für die Homöopathie!
Die vielzitierte Studie im „Lancet“ von Egger unterstreicht dies: Um keine Wirksamkeit der Homöopathie zu beweisen, müssen qualitativ völlig unzureichende homöopathische Studien selektiert werden, bei allen anderen Analysen wäre sogar aus homöopathischer Sicht schlechte Homöopathie signifikant besser als Placebo! Das heißt, sogar für eine minderwertige Anwendung homöopathischer Arzneien kann Wirksamkeit nachgewiesen werden. Wie viel besser müssen die Ergebnisse einer Forschung sein, die den Kriterien der Homöopathie entspricht! Allerdings gibt es dafür kaum Geldgeber, lediglich reichlich Forderungen nach Forschungsergebnissen!
Was heißt wissenschaftlich nicht plausibel? Weil der Wirkmechanismus von homöopathischen Hochpotenzen, deren Wirkung im ultramolekularen Bereich durch zahlreiche Versuche in vitro und in vivo nachgewiesen ist, noch nicht mit den derzeitigen physikalischen Modellen und Theorien erklärbar ist, gibt es ihn nicht? Das hieße unsere kritische Haltung aufzugeben, dass unser Wissen vorläufig und hypothetisch ist, man denke nur an die diversen Theorien in der Atomphysik.
Was hat fehlende Logik mit Beobachtungen und deren Bewertung zu tun? Mit dem Ähnlichkeitsprinzip und den Hochpotenzen etwa? Ein scharfer Beobachter wie Sherlock Holmes sagte: „Unmerklich beginnen wir die Fakten zu verdrehen, damit sie mit unseren Theorien übereinstimmen, anstatt umgekehrt.“ Wenn wir Beobachtungen nicht in unser System einordnen können, ist das noch lange kein Grund sie für verrückt zu erklären.
Sowie die Medizin verschiedene Wissenschaften benötigt – Physik, Chemie, Biologie als Naturwissenschaften, dazu die Mathematik, die bei dieser Einteilung nur eine Geisteswissenschaft sein kann –, so hat die Homöopathie ihr eigenes Wissensschaftsgebäude, ihren eigenen „context of discovery“ und „context of justification“. Die Kriterien der Rechtfertigung sind in den verschiedenen Wissenschaften verschieden, verschiedene Methoden können nicht dogmatisch über einen Kamm geschoren werden. Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass es unsinnig sein muss, kontrollierte Doppelblindstudien als allgemeingültiges Kriterium für die Wirksamkeit von Therapiesystemen zu fordern. Dieses Verfahren ist vor allem auf die Bedürfnisse einer herkömmlichen Pharmakotherapie zugeschnitten: gleiche Arznei für eine Gruppe, hohes Risiko von Nebenwirkungen und hohe Kosten. Alles Punkte, die für die Homöopathie nicht zutreffen.
Zur Genese des derzeitigen Feldzuges gegen die Homöopathie: Jene Studien, die in der Schweiz enorme Einsparungen durch die Homöopathie als Kassenleistung aufzeigten, durften nicht veröffentlicht werden. Eine Methode, die nicht innovatives Wachstum verspricht, darf von der WHO nicht positiv bewertet und empfohlen werden. In England, Deutschland und anderen Ländern tobt der Kampf um die finanziellen Ressourcen, vielleicht auch in Österreich? Springt hier jemand, vielleicht ohne es zu bemerken, auf den Wagen auf, bewaffnet mit dem Schlagwort der Wissenschaftlichkeit und wechselt dabei nach Belieben vom Geltungsdiskurs in die Genese? Füllt hier nicht eine Art Scientismus ein erkenntnistheoretisches Vakuum? Unsere medizinische Kultur verträgt durchaus mehr Aufklärung und verschiedene Paradigmen nebeneinander!
Dr. Klaus Payrhuber
FA für Innere Medizin
Präsident der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie
klaus.payrhuber@aekh.at
  #10  
Ungelesen 11.12.2007, 15:50
Federspiel Federspiel ist gerade online
 
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Zu den Leserbriefen von helmar, Dr. Brunnthaler, Dr. Payrhuber

Die Halbwertszeit medizinischen Wissens ist kurz – weil durch laufende Forschung und Überprüfung neues Wissen ingetriert und Unbrauchbares verabschiedet werden kann. Zur Forschung und Entwicklung der Medizin hat die Homöopathie aber in den 200 Jahren ihres Bestehens nichts beigetragen.
Wer möchte denn heute noch – als Versuchskaninchen – ein Medikament nehmen, wenn es nicht den langen Weg durch viele Studien – auch bei Krankheiten – bis zur Zulassung genommen hat? Wirkung, Unbedenklichkeit, Nebenwirkung, Risiken sind bekannt, bevor es auf den Markt kommt. Homöopathika sind aber nur an Gesunden überprüft.
Die Wissenschaft ist kein Maßstab für Homöopathie? Warum zitieren Homöopathen dann immer wieder Studien mit „positiven Ergebnissen“ und verteufeln kritische Aussagen als „Falschmeldung“? Selektive Wahrnehmung? Hahnemann führte das reproduzierbare Experiment ein – und dann soll dies nicht für heutige Homöopathie gelten? Ein eigener „context of justification“, ist das nicht Immunisierung gegen Kritik?
„Natürlich steht der endgültige Beweis, wie Homöopathie wirkt, noch aus“, sagt die Lehrbeauftragte der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathie. Wann wird es den Nachweis geben, in 200 Jahren?
Dr. Krista Federspiel

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