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3 Tage in Quiberon - 15/2018

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Im Leben nichts, auf der Leinwand alles

„3 Tage in Quiberon“: Emily Atefs Film zeigt Marie Bäumer in der sensiblen Darstellung einer gebrochenen, verzagten Romy Schneider. Exemplarische drei Tage eines unglücklichen Lebens.

| Von Matthias Greuling

Es hätte ein totaler Reinfall werden können: Marie Bäumer als Look-Alike von Romy Schneider, in einer ihrer schwierigsten Lebensphasen, als alkoholabhängiger Superstar mit privaten und beruflichen Problemen hätte leicht zur verklärenden Kitsch-Revue werden können, in der man den Mythos Romy Schneider überhöht und sie zu einer Filmgöttin stilisiert hätte, dass einem vor lauter triefender Verehrung schon graust. Doch das Gegenteil ist der Fall: „3 Tage in Quiberon“, diese in kontrastreichen Schwarzweißbildern des österreichischen Kameramanns Thomas Kiennast eingefangene Momentaufnahme aus dem Leben der Schneider ist alles andere als kitschig – und Marie Bäumer macht ihre Sache ganz ausgezeichnet, weil sie Romy Schneider nicht zu imitieren versucht, sondern weil sie sich den Raum nimmt, sich selbst einzubringen.
Dadurch trifft sie den Ton und die Stimmung jener Zeit nahezu perfekt: Die Geschichte erzählt keine Romy-Biografie, sondern spielt an nur drei Tagen, an denen die von Schicksalsschlägen und Süchten geplagte Frau 1981 in der für Promis reservierten Entziehungsanstalt im bretonischen Quiberon nicht nur ihre beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) empfängt, sondern auch den Stern-Reporter Michael Jürgs (der später eine vortreffliche Romy-Biografie geschrieben hat), gespielt von Robert Gwisdek, und den Berliner Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner), den Romy schon von früheren Shootings kannte und den sie sehr mochte, dem sie vertraute.
Ein großes Interview für den Stern sollte es werden, mit tollen Fotos (bei deren Entstehung sich Romy den Knöchel brach) und der längst fälligen Aussöhnung zwischen der Schauspielerin und der deutschen Presse, mit der sie zeitlebens auf Kriegsfuß stand – vor allem, als man sie übel beschimpfte, weil sie die gute „Sissi“ nicht mehr sein wollte, sondern lieber zu Alain Delon nach Frankreich ging. Romy Schneider war für die Deutschen in diesen Jahren wie eine Verräterin.

Missglückte Reinwaschung

Romy Schneider versprach sich von diesem Interview, all die Vorwürfe der Presse entkräften zu können. Sie zeigte damals ihre ganze Verletzlichkeit und war nur wenige Monate später mit dem Tod ihres erst 14-jährigen Sohnes David konfrontiert, der letztlich auch ihr Todesurteil sein sollte. Aber schon zum Zeitpunkt des Interviews war Romy ein nervliches Wrack, das seinen Kummer in Alkohol, Zigaretten und Tabletten ersticken wollte. „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren“, schrieb sie damals. 
Regisseurin Emily Atef geht sehr behutsam an die Geschichte, ist niemals sensationsgierig, hält Distanz und sucht zugleich große Nähe zu ihrer „Romy“. Atef gibt Marie Bäumer die Freiheiten für deren eigene Interpretation und schafft damit ein Klima der Angstfreiheit; Bäumer kann so in etlichen Szenen zur Höchstform auflaufen und ist der echten Romy darin täuschend ähnlich.
Noch in der ersten Einstellung von „3 Tage in Quiberon“ hat man echte Probleme, Bäumer als Romy Schneider zu akzeptieren, doch das fällt spätestens in den Szenen, in denen sie für Lebecks Kamera posiert und im Interview mit Jürgs emotional aus der Spur geworfen wird. Bäumer trifft die Nuancen in Gestik und Mimik ebenso wie jene der Schneider-spezifischen Sprache, die sie unverwechselbar machte, auch in den deutschen Fassungen ihrer französischen Filme, die sie stets selbst synchronisierte.
„3 Tage in Quiberon“ zeigt nur einen minimalen Ausschnitt aus dem Leben einer Film-Ikone, doch der charakterisiert sie besser als jede gehetzte, an Ereignissen reiche Film-Biografie, die Schneider nicht gerecht würde. Hier, in dieser Miniatur wird offenbar, worunter Romy Schneider so sehr zu leiden hatte: unter dem Trugschluss, das eigene Unvermögen, eine seelische, solide Basis aufzubauen, damit übertünchen zu können, sich permanent von einem Film in den anderen zu stürzen.
Um in diesen Zustand zu gelangen, musste sich Bäumer komplett in die Figur von Romy Schneider fallen lassen und permanent „in der Rolle“ bleiben. Man hatte Bäumer zuvor schon oft angeboten, Romy Schneider zu spielen, aber niemals war es so intensiv wie hier. Vielleicht auch, weil es genau das Substrat aller Romy-Filme ist, das hier zum Vorschein kommt: „Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand.“ Ein Romy-Zitat, das einem selten so klar war, wie nach diesem Film.


3 Tage in Quiberon
D/A/F 2018. Regie: Emily Atef.
Mit Marie Bäumer, Birgit Minichmayr,
Charly Hübner, Robert Gwisdek.
Filmladen. 115 Min.
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