ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Good Time - 44/2017

Herunterladen
Teenieschwarm, das war einmal

„Good Time“ der Gebrüder Safdies ist ein exzeptioneller Gangsterfilm der ganz anderen Art: Robert Pattinson, wie ihn die Welt noch nie sah. Und wie sie ihn hoffentlich noch oft zu sehen bekommt.

| Von Otto Friedrich

Geheimtipp unter Independentfilm-Fans sind die Safdie-Brüder schon seit längerem. Mit „Good Time“ landeten die beiden heuer im Wettbewerb von Cannes – und somit im europäischen Olymp des Filmschaffens. Der Streifen ging bei den Palmen zwar leer aus (nur für den Komponisten der Filmmusik, Daniel Lopatin, regnete es einen Preis). Aber da die beiden ja erst in ihren Dreißigern sind, werden weitere Ehren schon noch folgen.
In der Sache ist „Good Times“ ein ebenso jugendlich brachiales wie reifes Werk, das das Gangsterfilm-Genre zitiert und um einige Facetten bereichert. Ein Road Movie im New York der 2010er Jahre, der Nouvelle-Vague-Klassiker „Außer Atem“ lässt ebenso grüßen wie Tom Tykwers Kult „Lola rennt“.

Räuber mit zwei linken Händen

„Good Times“ erzählt die nicht allzu lange Gangster-Karriere der ungleichen Brüder Constantine („Connie“) und Nick Nikas. Die Familie, der beide jungen Männer entstammen, ist zerrüttet, Nick, der geistig zurückgebliebene, lebt bei der Großmutter, die ihn misshandelt und in eine Therapie zwingt. Connie, der „Gescheite“, plant einen Banküberfall und spannt den Bruder in den watscheneinfachen und todsicheren Coup ein. Doch so clever, wie er tut, ist Connie nicht – der Coup gelingt, aber unter dem Pack Geldscheine, den die Brüder erbeutet haben, ist ein explodierender Farbbeutel, der den schönen Batzen Geld unbrauchbar einfärbt. Als Nick dann von der Polizei gestellt wird, setzt Connie alles daran, die 10.000 Dollar Kaution aufzutreiben.
Leider hat er auch dabei zwei linke Hände, sodass er gleichzeitig dem Geld hinterherhechelt und den ihm von der Polizei entrissenen Bruder zu befreien sucht. Ein Katz-und-Maus-Spiel, das wohl nur auf eine einzige Art enden kann.
Pulsierend, hektisch voller Close-Ups ist der Film gedreht. Durch und durch nervöse Existenz wird so auf die Leinwand gebannt, die Bildgestaltung ist nicht raumgebend, sondern zelebriert im Gegenteil ein in allen Nuancen klaustrophobisches Setting: Die Unbeholfenheit von Connie und Nick findet den ganzen Film hindurch ihre bildgemäße Entsprechung, die (preisgekrönte) Musik mit ihren bis an Erträglichkeitsgrenzen peitschenden Beats tut ihr Nämliches dazu: In dieser Stadt gibt es kein Entkommen zur Ruhe hin, sondern ein verzweifelter Atemloser sucht den geliebten Bruder, den er in die Bredouille gebracht hat, wieder zu befreien. Ein Unterfangen, das kaum gutgehen kann. Und dem man einen Film lang zuschauen darf.

In der City That Never Sleeps

„Good Time“ steht und fällt mit Hauptdarsteller Robert Pattinson, der in diesem Film seine Feuerprobe als nuancierter Charakterdarsteller abliefert. Wer hätte dem glattgeschminkten Soft-Vampire-Darsteller zugetraut, dass er imstande ist, seine Karriere als Teenieschwarm so hinter sich zu lassen? Unrasiert und völlig unzureichend erblondet gibt er den Connie, ein verzweifelt Sympathischer und doch einer, dem alles misslingt, was er anzupacken beginnt.
Den minderbemittelten, aber in letzter Konsequenz lebensklügeren Bruder Nick spielt Ben Safdie, der eine aus dem Regie-Duo. Auch ihm geht das Spiel so gut von der Hand, dass es eine Freud ist zuzuschauen. Und auch Jennifer Jason Leigh, die Connies Freundin Corey gibt, fügt sich in diese Ensemble ein.
Zuletzt kommt New York, der „City That Never Sleeps“, der Part zu, dieser modernen Beggar’s Opera Plausibilität und Authentizität zu verleihen.


Good Time
USA/LUX 2017. Regie: Ben Safdie, Joshua Safdie.
Mit Robert Pattinson, Ben Safdie,
Jennifer 
Jason Leigh, Barkhad Afdi.
Polyfilm. 100 Min.
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung