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God’s Own Country - 43/2017

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Liebe – und wenn sie auch da hinfällt

„God’s Own Country“: Das Leben in Yorkshire törnt einen jungen Farmer wenig an.
Bis der rumänische Saisonarbeiter die Bildfläche betritt …


| Von Otto Friedrich

Die einen halten ihn gleich für die aktuelle Version von „Brokeback Mountain“, jener Ikone des Männerliebesfilms, in dem der US-Western die heterosexuelle Macho-Attitüde, die dem Genre zugesprochen wird, überwand. In Wirklichkeit ist „God’s Own Country“ aber ein durch und durch europäischer Film, der etwa viel mehr mit Ken Loachs landschaftsgesättigtem Irland-Epos „The Wind That Shakes The Barley“ zu tun hat als mit Ang Lees US-Kino-Ästhetik. Obwohl in „God’s Own Country“ beide genannten Regie-Meis-ter über Schauspieler mit ins Spiel kommen, hatte doch Ian Hart, der den Vater Martin Saxby darstellt, die Hauptrolle in Loachs „Land And Freedom“ (1995) inne; und im gleichen Jahr spielte Gemma Jones, die Saxbys Frau Deirdre gibt, in Ang Lees Jane-Aus-ten-Verfilmung „Sinn und Sinnlichkeit“ mit.
Das sind aber nur die „alten Hasen“ in einem jungen Ensemble: Für Francis Lee stellt „God’s Own Country“ die erste Spielfilmregie dar. Auch Hauptdarsteller Josh O’Connor gab erst 2014 sein Leinwanddebüt, und für seinen Filmpartner Alec 
Secareanu stellt „God’s Own Country“ die erste Rolle im englischsprachigen Kino dar.
Das junge Team eroberte auf Festivals die Herzen von Publikum und Jurys, der Regie-Preis beim diesjährigen Sundance Festival unterstreicht dies: Selten war zweier Männer Suche nach Liebe so gepaart mit der Unwirtlichkeit des Landlebens heute – und das inmitten großartiger Landschaftsfotografie, die den auch im Wortsinn schmutzigen wie heftigen Kampf um einander kongenial bebildert.

In der Heimat gefilmt

Regisseur und Autor Francis Lee siedelt sein Drama in Yorkshire an, wo er sich gut auskennt, stammt er doch selbst aus einer Farmerfamilie von dort. Es gelingt ihm, die Schwermut und Unwirtlichkeit des Bauernlebens, den täglichen Existenzkampf, den der nach Schlaganfällen behinderte Altbauer Martin Saxby und sein Sohn Johnny durchstehen müssen, filmisch umzusetzen.
24 Jahre zählt der Jungbauer, die Perspektiven sind düster, und anstatt sein Leben genießen zu können, muss sich Johnny von frühmorgens bis zum Abend um Hof und die Tiere kümmern. Des Nachts lässt er sich in den tristen Pubs der Umgebung volllaufen, um dann, verkatert und noch mehr frus-triert, am nächsten Tag weiterzutun – zum Missfallen von Vater Martin und dessen Frau Deirdre. Zukunft gibt es da nicht mehr, auch keine Beziehungen – ein Quickie mit einem Mann auf einer Rinder-auktion ersetzt das Liebesleben.
Das alles ändert sich, als der rumänische Saisonarbeiter Gheorghe anheuert, um den Schafen beim Lammen zu helfen. Der auch Gheorghe gegenüber einsilbige und unleidliche Johnny taut aber auf, je länger die beiden miteinander arbeiten. Bald wird klar, dass da mehr als eine professionelle Beziehung keimt.

Zärtlich: Wenn der Sohn mit dem Vater …

Doch eine raue Schale wie jene von Johnny ist nicht leicht zu knacken. Und eine verletzte Seele wie Gheorghe tut sich gleichfalls schwer, Vergangenes hinter sich zu lassen – und miteinander etwas Neues zu beginnen.
Gefühle, Zärtlichkeit, (sexuelles) Verlangen und gleichzeitig urwüchsige Manneskräfte treffen aufeinander: Sie müssen gezähmt und gleichzeitig mit der Welt- und Lebenssicht von Martin und Deirdre versöhnt werden. Das alles fängt Francis Lee in roher Körperlichkeit wie in kaum bemerkten Blicken ein – ein Szenario, das gleichzeitig urwüchsig und völlig subtil der Liebe den Humus bildet. Die Frage, ob dieser Boden dafür genug aufbereitet ist, treibt die Spannung hoch und den ganzen Film um.
Josh O’Connor liefert in seinem Johnny eine Meisterleistung an vierschrötiger Nuanciertheit ab, Alec Secareanu steht ihm als ebenso sensibler wie kundiger Landarbeiter um nichts nach. Die Liebe der beiden Protagonisten entwickelt sich aber auch auf der Folie eines kargen Familienlebens, das von Gemma Jones’ Deirdre mit wenigen Blicken und Gesten dominiert wird. Und dann noch die Darstellung des Schlaganfallpatienten Martin, dem Ian Hart eine kaum nachahmliche Präsenz verleiht: Man sieht das schwere Los des Farmers, und dass er es mit Gefühlen nicht so hat. Aber als der Sohn den beinahe Bewegungsunfähigen in der Badewanne wäscht, entsteht eine ungekannte Vater-Sohn-Zärtlichkeit, die den ersteren ja dazu bringen könnte, damit zu leben, dass der Sohn – wie man früher despektierlich zu sagen pflegte – einer vom anderen Ufer ist.


God’s Own Country
GB 2017. Regie: Francis Lee.
Mit Josh O’Connor, Alec Secareanu,
Ian Hart, Gemma Jones.
Polyfilm. 104 Min.
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