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Träum was Schö­nes - 42/2017

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Vom Leben nach dem Tod der Mutter

ARTHAUS-Film

| Von Walter Gasperi

Der neunjährige Massimo (einfühlsam: Nicol`o Cabras) will zunächst nicht mit seiner Mutter in der Küche Twist tanzen, nimmt dann aber zunehmend begeistert deren Bewegungen auf. Zentral ist dieses Bild des unbeschwerten Glücks, mit dem Marco Bellocchio seine Verfilmung von Massimo Gramellinis autobiografischem Roman „Träum was Schönes“ eröffnet. Denn abrupt ist es mit diesem Glück vorüber. Nachdem die Mutter ihn nämlich eines Abends mit den Worten „Träum was Schönes“ ins Bett gebracht hat, lässt mitten in der Nacht ein Schrei des Vaters nicht nur Massimo, sondern auch den Zuschauer aufschrecken. Als der Junge aber in den Gang tritt, werden Türen vor ihm geschlossen, wird ihm der Zugang zur Mutter verwehrt, wird erklärt, dass sie im Krankenhaus sei, und wenig später, dass sie verstorben sei.
Wie diese Türen verschlossen, wie die Räume oft dunkel und die Farben dem Film fast ausgetrieben und auf dunkle Töne reduziert sind, so wird es mit dem Tod der Mutter auch in Massimos Leben dunkel.
Von diesem einschneidenden Ereignis Mitte der 1960er-Jahre springt „Träum was Schönes“ ins Jahr 1999, doch über den Verlust ist der inzwischen 43-jährige Sportreporter immer noch nicht hinweg. Wie in Trauer und Schmerz erstarrt wirkt er und immer wieder brechen in Rückblendentechnik Erinnerungen an die Mutter, an seine Kindheit, aber auch an spätere Ereignisse herein. Wirklich zu leben und zu lieben ist er nicht fähig, wandelt als distanzierter Beobachter durchs Leben und reagiert auch teilnahmslos auf verstörende Erlebnisse, die er während eines Interviews mit einem Börsenmakler oder als Kriegsreporter in Sarajewo macht.
Stillstand bestimmt sein Leben, bis gerade eine Panikattacke, deren Beklemmung Bellocchio eindringlich vermittelt, und die anschließende Begegnung mit einer Ärztin bei dem Mittvierziger doch noch eine Bewegung auslösen.
Konzentriert und einfühlsam erzählt Bellocchio diese Geschichte über Trauer, Verlust, Verdrängung, Schmerz sowie über die Schwierigkeit, los- und die Wahrheit schließlich zuzulassen. Ganz in die Perspektive Massimos, dessen Verlorenheit Valerio Mastandrea eindrücklich vermittelt, versetzt der 78-jährige Altmeister den Zuschauer. Intensiv kann man so Massimos Schmerz nachvollziehen, der auch in Wut umschlägt, als das Gefühl aufkommt, dass er von der Mutter im Stich gelassen wurde. Schwer nachvollziehbar dagegen, wieso dem erwachsenen Massimo die Hintergründe des Tods seiner Mutter so lange verborgen blieben.


Träum was Schönes (Fai bei sogni)
I 2016. Regie: Marco Bellocchio. 

Mit Valerio Mastandrea,
Bérénice Bejo, Nicolo Cabras,
Filmladen. 134 Min.
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