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Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren - 41/2017

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Acht Matchbälle bis zum Sieg

Das Wimbledon-Finale von 1980 hatte es in sich: John McEnroe war drauf und dran, Björn Borg zu entthronen. Janus Metz’ Biopic „Borg McEnroe“ vergegenwärtigt diesen Tennis-Krimi.


| Von Otto Friedrich

Das Endspiel des Wimbledon-Turniers anno 1980 ist in die Annalen der Sportgeschichte eingegangen: Zum fünften Mal in Folge erringt der damals erst 24-jährige Björn Borg den Einzeltitel der All-England-Tennismeisterschaften. Aber er benötigt dafür acht Matchbälle und beinahe vier Stunden. Denn sein Gegner, der als Rüpel vom Center Court verschriene John McEnroe ist der aufsteigende Stern am Tennishimmel. Und wird ihn in Jahresfrist vom Thron stoßen. Und dennoch sind Borg und McEnroe Freunde – bis heute.
Das Wimbledon-Finale ist der Kulminationspunkt des Films „Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren“, mit dem sich der dänische Regisseur Janus Metz den beiden Tennis-Ikonen nähert. Ein Sportfilm und ein Biopic, das jedenfalls eigene Kindheitserinnerungen an die Zeit vor dem Fernseher bei den Tennis-Übertragungen weckt.

Sohn Leo spielt Papa Björn als Kind

Ein schwieriges Unterfangen nahm sich der Filmemacher vor: die Geschichte des Wimbledon-Finales von 1980 zu erzählen; die lange Vorgeschichte dient da der Dekoration des Wegs dorthin – auch mit den Mitteln der „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Ideo-logie, die er dem US-Kino abgeschaut hat: Der kleine Björn Borg (im Film dargestellt durch Björns wirklichen Sohn Leo) lernt Tennis, indem er seine Bälle zu Hause ans Garagentor wuchtet. Der Jugendtrainer Lennart Bergelin entdeckt ihn und wird ihn als Coach an die Weltspitze begleiten.
Das große Atout des Films ist der Schwede Sverrin Gudnason in der Hauptrolle, der den schweigsamen und grüblerischen Tennisgott mit verblüffender Ähnlichkeit zum Leben erweckt. Auch das Drehbuch kommt dieser Darstellung in vielen Details entgegen – etwa die Neurosen (auch wenn sie fiktiv sein mögen), welche das Borg’sche Dasein im Tennis-Olymp pflastern: Borg braucht das immer gleiche Ambiente, um nicht von seiner Konzentration aufs Turnier abgelenkt zu werden. In Wimbledon bezieht er immer das gleiche Quartier und ordert das gleiche Fahrzeug mit dem gleichen Chauffeur; aber wenn dort die Sitzbezüge erneuert wurden, wirft das den Meister gleich aus der Bahn.
Wesentlich blasser ist dem gegenüber die Darstellung von John McEnroe durch Shia LaBeouf, dessen Performance zwar durch und durch routiniert ist, dem man aber den jungen Wilden nicht so recht abnehmen will – vielleicht ist der Hollywood-Beau aber schon schlicht zu wenig jung dafür.
Am schwersten tut sich der Film mit der Tiefenschärfe jener Figuren, die nicht im Rampenlicht stehen: Borgs Trainer Bergelin, wiewohl durch Schwedens Hollywoodmimen Stellan Skarsgård verkörpert, bleibt ebenso seltsam flach wie Tuva Novotny als Borgs rumänische Kollegin und Verlobte Mariana Simionescu.

Das Jahrhundertfinale vergegenwärtigt

Aber das Ende von „Borg McEnroe“ tröstet über derartige Unzulänglichkeiten hinweg: Janus Metz gelingt es tatsächlich, die Aufmerksamkeit auf das entscheidende Endspiel zu lenken. So schwer es dem Film auch gefallen ist, an der Plausibilität der Entwicklung dran zu bleiben und nicht den Faden zu verlieren, so konzis und konzentriert gibt er das große Spiel der beiden Großen am Tennishimmel wieder: höchste Spannung aus einem längst vergangenen Tennismatch generieren – das macht Metz so schnell niemand nach.
Mehr als ein Viertejahrhundert später dieses Wimbledonfinale von 1980 neu erlebbar zu machen: das ist das größte Verdienst von „Borg McEnroe“. Mag sein, dass die Federers und Nadals auch großartiges Tennis spielen und – wie Roger Federer – Borg und McEnroe in der Zahl der Wimbledon-Titel überholt haben: An der guten alten Tenniszeit können sie längst nicht rütteln.


Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren
S/DK/FIN 2017. Regie: Janus Metz.
Mit Sverrir Gudnason, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård.
Filmladen. 100 Min.
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