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Baumschlager - 38/2017

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Seicht – brachial lustig

„Baumschlager“: Harald Sicheritz macht mit der österreichisch-israelischen Produktion wieder auf Mainstream-Komödie. Sie wird ihr Publikum schon finden.

| Von Otto Friedrich

Wer mag sich noch an eine der größten außenpolitischen Peinlichkeiten Österreichs erinnern? Im Juni 2013 wurden die jahrzehntelang auf dem Golan stationierten österreichischen UNO-Soldaten praktisch über Nacht abgezogen, weil Ausläufer des syrischen Bürgerkriegs auch die UN-Pufferzone, die seit dem Sechstagekrieg 1967 Israelis und Syrer trennte, erreichten.
Diese, für Österreich wenig ruhmreiche Fußnote der Zeitgeschichte nimmt der österreichisch-israelische Film „Baumschlager“ zum Ausgangspunkt des Plots. Denn, so erfahren wir, es war ganz anders. Nicht der syrische Bürgerkrieg, sondern die Umtriebe des österreichischen UN-Offiziers Werner Baumschlager hatten die Flucht des Bundesheerkontingents vom Golan zur Folge.

Thomas Stipsits, Gerti Drassl & Co

Denn Baumschlager die ers-te Spielfilmhauptrolle für Thomas Stipsits) erweist sich vor allem als Schlemihl, wie er im Buche steht, pardon: als österreichischer Trottel, der sein Ehe- und Sexualleben nicht auf die Reihe kriegt. Denn zu Hause sitzt Eheweib Martha (Gerti Drassl in typischer Manier), das ob der Treulosigkeit des Gesponses im Lauf des Films zur Furie werden muss. Denn in Nahost vergnügt sich Werner mit der israe-lischen Offizierin Sigal Cohen (Meyrav Feldman) sowie der libanesischen Generalstochter Rania (Moran Rosenblatt).
Zunächst muss der Reserve-Casanova aus Österreich vor allem seinen Terminkalender koordinieren, damit Sigal und Rania einander nicht über den Weg laufen. Das wird zunehmend schwieriger. Und als dann auch noch Ehefrau Martha im gelobten Land auftaucht, kollidieren die privaten Kalamitäten mit den politischen Zeitläuften, sodass der bereits paktierte Friede zwischen dem Libanon und Israel wieder zur Makulatur wird. Dazu kommen Wirrsale wie eine Marihuanaplantage eines UN-Soldaten, die durch die unerwartete Waffenruhe in Gefahr ist, oder Baumschlagers Verwicklung in einen veritablen Rauschgiftdeal samt Morddrohungen und allem, was sonst noch dazugehört.
Das alles klingt kaum nach einem hintergründigen Plot, und das Drehbuch der jungen israelischen Autorin Maayan Oz ist denn auch voller platter Rollenbilder und Brachialhumor. Wird ja sein, dass dieser Holzhammer an Film beim Mainstream-Publikum, für das Sicheritz produzieren will, einigermaßen ankommt. Auch einige Schauspielleistungen passen – etwa Sólveig Arnarsdóttir und Anatole Taubman als UN-Agenten, die Baumschlager auf die Schliche kommen sollen, sowie Zohar Liba als Beduine, der der schutzlosen Ehefrau Martha nicht nur eine Brust zum Ausweinen bietet.
Auch dass „Baumschlager“ eine 
österreichisch-israelische Koproduktion darstellt, soll hervorgehoben bleiben – immer noch ist Derartiges nicht alltäglich. Der Film kommt hierzulande nicht nur in einer synchronisierten Fassung, sondern auch auf Englisch – die Sprache in der vornehmlich gedreht wurde – mit Untertiteln ins Kino.

Politischer Dilettantismus

Was „Baumschlager“ eigentlich brisant macht, ist die Folie des Nahostkonflikts, auf der er spielt. Thomas Stipsits meinte kürzlich in den Ober-österreichischen Nachrichten zu seinem „Vorwissen“: „Ich habe dazu, wie es so schön heißt, fundiertes Halbwissen.“ Aber er habe, so der Hauptdarsteller weiter, beim Dreh im israelischen Jaffa das Gefühl gehabt, „dass sich viele Junge, Israelis wie Araber, auch nicht mehr auskennen“.
Man darf sich bei „Baumschlager“ also kein Gefühl für die politischen Zusammenhänge erwarten. Man erinnert sich, dass zwei der bekanntesten Sicheritz-Filme – „Hinterholz 8“ (1998) und „Poppitz“ (2002), die bis heute die beiden österreichischen Filme mit den höchsten Zuschauerzahlen im Kino sind – einen Hauptdarsteller hatten, der zurzeit mit einer politischen Partei dilettiert. Die politischen Untiefen von „Baumschlager“ sind dem mindestens vergleichbar.


Baumschlager
A/IL 2016. Regie: Harald Sicheritz.
Mit Thomas Stipsits, Gerti Drassl, Meyrav Feldman,
Moran Rosenblatt, Anatole Taubman, Sólveig Arnarsdóttir.
Filmladen. 102 Min.
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