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Meine Cousine Rachel - 36/2017

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Hat sie es (nicht) getan?

„Meine Cousine Rachel“: Regisseur Roger Michell versucht sich am Remake der Verfilmung eines Romans von Daphne du Maurier.


| Von Thomas Taborsky


Während es heutzutage quasi schon zum Ideal, sicher aber zu einer mit Anstrengungen verbundenen Angelegenheit geworden ist, ein Stück Kultur ohne Vorkenntnisse, Fremdkommentare oder Wissen über seinen Ausgang zu konsumieren, liegt dahinter, weiter entfernt als je zuvor, ein noch ferneres Ziel, nach dem sich manchmal schielen lässt: Zweimal dieselbe Geschichte aus unterschiedlichem Blickwinkel frisch angehen zu dürfen.
Doch dabei macht einem oft das menschliche Erinnerungsvermögen einen Strich durch die Rechnung. Auch das Kino versucht sich immer wieder mit mehr oder minder behelfsmäßigen Lösungen daran, etwa als das Audrey-Tautou-Vehikel „Wahnsinnig verliebt“ zuerst aus der Sicht der Frau und ab der Hälfte noch einmal aus der Perspektive des Mannes erzählt wurde.

Die beherrschende Frage

Der englische Kostümthriller „Meine Cousine Rachel“ erzeugt hingegen den drängenden Wunsch, ihn zweimal unbedarft sehen zu können, um zwei radikal gegensätzliche Parteien ergreifen zu können. Hat sie es getan oder nicht?, das ist seine beherrschende Frage, und: Macht sie es gerade wieder? Der geliebte Cousin, der Philip (Sam Claflin) aufgezogen hat, ist kurz nach seiner Hochzeit gestorben, nicht ohne aber vorher ein alarmierendes Verhalten an den Tag zu legen.
Sein Totenschein spricht von einem Hirntumor, ein Brief aber von der Marter durch Rachel (Rachel Weisz). Als -diese jedoch bald darauf auf dem Landgut auftaucht, scheint sie ein Ausbund an Freundlichkeit und Tugend zu sein. Allerdings verdreht sie Philip den Kopf. Er sichert sie finanziell ab, entwendet Juwelen aus dem Erbe, auf das er noch keinen Zugriff hat, ignoriert die immer lauteren Warnungen aus seinem Umfeld, plant eine großzügige Geste für den Tag seiner Volljährigkeit – oder eine, die sein Leben bedrohen wird.

Ambivalenz in jeder Szene

Das Raffinierte an „My Cousin Rachel“ ist die Ambivalenz, mit der Regisseur Roger Michell („Notting Hill“) so gut wie jede Szene versetzt. Wohliges Misstrauen, auch gegen die eigenen Instinkte, ist hier ein ständiger Begleiter, befeuert vor allem durch Rachel Weisz, die so packend wie undurchschaubar zwischen Opfer- und Täterrolle herum kokettiert. Damit tritt sie in die Fußstapfen von Olivia de Havilland, die 1952 an der Seite von Richard Burton in der Erstverfilmung spielt. Seinen Wert als Vorlage beweist allerdings auch erneut der Roman von Daphne du Maurier.
Viel braucht es nicht, um hier vom zeitlosen Spiel mit Hörensagen, Fehlurteilen und den Gründen, die beim Handeln eines Menschen mitspielen, zu einer sehr aktuellen gesamtgesellschaftlichen Botschaft zu kommen – -bzgl. des Zweifels im Umgang mit Fremden und den fatalen Folgen daraus. Wie man damit filmisch auf die Folter spannt, weiß dieser Leckerbissen.


Meine Cousine Rachel (My Cousin Rachel)
GB/USA 2017 Regie: Roger Michell.
Mit Sam Claflin, Rachel Weisz.
ABC Films. 106 Min.
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