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Tanz der Tiefseequalle - 27/2017

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Teenager-Roman mit Tiefe

Lektorix des Monats

| Von Juliane Zach


Nur ein kurzer Moment, „ungefähr so lange wie eine Fußgängerampel braucht, um grün zu werden“, stellt das Leben von Sera und Niko auf den Kopf. Beide sind 14 Jahre und gehen in dieselbe Klasse – doch haben sie keine Berührungspunkte. Während die hübsche Sera versucht, ja nicht aufzufallen, ist Niko das nicht möglich, denn er ist stark übergewichtig und dadurch immer Zielscheibe seiner Mitschüler. Und das wird sich wohl auch auf der anstehenden Klassenfahrt kaum ändern. Während fast alle aufgeregt ihrem möglichen ersten Kuss entgegenblicken, stellt sich Niko auf ein Wochenende voller Demütigung ein. Um seine Realität besser zu ertragen träumt er sich in eine fiktive Welt, in der er als Superniko selbstbewusst und mutig auftritt. Plötzlich herausgerissen aus seinen Träumen, befreit er Sera, die von ihrem Mitschüler Marko begrapscht wird. Die Konsequenzen seiner Rettungsaktion werden dann beim Tanzabend deutlich. Entgegen den Erwartungen ist nicht er das Opfer von Markos Racheaktion, sondern Sera. Noch am selben Abend laufen Sera und Niko gemeinsam weg und begegnen sich fernab der Klasse ganz anders als im gewohnten Umfeld.

Starke Figurenzeichnung

Ihre Vorstellungen und Vorurteile voneinander werden nicht erfüllt, denn sie beweist Mut und Spontanität und er überrascht sie mit seinem Humor und seiner Gelassenheit. Doch nur kurz entkommen sie den Mobbing-Attacken ihrer Mitschüler. Basierend auf den Lügengeschichten Markos wird nun auch Sera ausgegrenzt und mit verbaler Gewalt konfrontiert. Hin- und hergerissen zwischen Scham und Zuneigung, lässt sie ihre Gefühle für Niko nur zögerlich zu und auch Niko kann seinen Schutzpanzer nicht ganz ablegen.
Bereits in ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman über häusliche Gewalt und Freundschaft, „Mein Sommer mit Mucks“, bewies Stefanie Höfler viel Gespür und Zuneigung für ihre Protagonisten. Nun hat sie mit „Der Tanz der Tiefseequalle“ ihr zweites Buch auf den Markt gebracht. Mit Feingefühl und ohne allen Happy-End-Erwartungen zu entsprechen, verleiht sie dem Text Tiefe, indem sie die Zerrissenheit der Figuren nicht auflöst. Nicht nur die Dramaturgie der Erzählung über Werte, Vorurteile, Akzeptanz und Ausgrenzung, sondern vor allem die starke Figurenzeichnung von Sera und Niko und der gut skizzierten Nebenfiguren überzeugt. Stefanie Höfler gibt den beiden Ich-Erzählern, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird, einen ganz eigenen Ton, sodass auch bei rasch wechselnden Erzählperspektiven klar ist, wer gerade spricht – Sera wortsparend und emotional oder Niko überaus höflich und reflektiert.
Der Text verarbeitet viele für Jugendliche relevante Themen, aber was er vor allem zeigt ist, wie brutal die Konsequenzen sein können, wenn man zu seiner Meinung, seinen Gefühlen und zu sich selbst steht.


Tanz der Tiefseequalle
Von Stefanie Höfler,
Beltz und Gelberg 2017
192 S., geb. 
€ 12,95
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