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Die Verführten - 26/2017

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Und wenn er nicht gestorben wäre, dann …

Remake einer Romanverfilmung

| Von Otto Friedrich

Der US-amerikanischen Regisseurin Sofia Coppola verdankt die Filmwelt einiges an Innovation – ihren Debütfilm „The Virgin Suicides“ (1999) oder den cineastischen One-Night-Stand „Lost in Translation“ (2003) inklusive. Ihr jüngstes Opus „Die Verführten“ gehört allerdings ganz gewiss nicht in diese Aufzählung. Warum Coppola heuer aus Cannes den Regie-Preis mit nach Hause nehmen konnte, verstörte bereits die an der Côte d’Azur versammelte Filmkritik. Auch dem Rezensenten hierzulande erschließt sich die Preiswürdigkeit des Historienschinkens, als der sich „Die Verführten“ entpuppt, keineswegs.
Coppolas Film ist ein Remake eines Don-Siegel-Opus aus 1971 mit Clint Eastwood und Geraldine Page in den Hauptrollen, das seinerseits die Verfilmung eines Romans von Thomas Cullinan war. Die Handlung ist im amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelt. Dort, im Gebiet der Konföderierten Staaten, findet die Schülerin eines Mädcheninternats beim Pilzesammeln im Wald 
einen verletzten Unionssoldaten und bringt ihn in die Mädchenanstalt. Dieser Corporal McBurney mischt die höhere Töchterschule im Nu auf: Die feinen Girls konkurrieren um den Feschak, und auch die Erzieherinnen buhlen, was das Zeug hält, und bauen so – offen wie zumeist versteckt – Rivalitäten auf, die kein gutes Ende erwarten lassen.

Eine schaurige Geschichte

Doch über diesem Besuch – die Internatsleitung muss den feindlichen Soldaten ja vor den eigenen Truppen verstecken – steht kein guter Stern. Nach einem Sturz des Corporals schreitet die Direktorin Miss Martha zur chirurgischen Tat – und dessen Schicksal nimmt seinen unabänderlichen Lauf.
Die schaurige Geschichte wird unter Coppolas Händen zu einer Parabel zwischen feuchten Mädchenträumen und eiskalten Ladys, die den zunehmend als Eindringling wahrgenommenen Fremden den Garaus zu machen suchen. Gefilmt wurde das alles mit historischen Objektiven, der Look des Films gerät ins artifiziell Historisierende – offensichtlich die eigentlichen Meriten, die den „Verführten“ zuzubilligen sind.
Als Darsteller(innen) konnte Sofia Coppola eine veritable Starriege versammeln. Den Unions-Soldaten, der 1971 von Clint Eastwood gespielt wurde, gibt nun Colin Farrell, der dem brechenden Charakter glaubhafte Gestalt verleiht. Auch Nicole Kidman als Miss Martha, Kirsten Dunst als Lehrerin Edwina sowie Elle Fanning als Schülerin Alicia zeigen famos-nuanciertes Schauspiel.
Doch all dies kann letztlich nicht endgültig überzeugen. „Die Verführten“ mag durchaus eine Betörung in Kostümen des 19. Jahrhunderts sein.
Diese Bebilderung einer ganz und gar nicht hübschen Geschichte erweist sich aber auch als ganz und gar nicht zwingend. Das gilt natürlich in gleicher Weise für die Trophäe, die Sofia Coppola aus Cannes mitnehmen konnte.


Die Verführten (The Beguiled)
USA 2017. Regie: Sofia Coppola.
Mit Colin Farrell, Nicole Kidman,
Kirsten Dunst, Elle Fanning.
Universal. 94 Min.
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