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Mit Siebzehn - 26/2017

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Frühlings Erwachen à la Techiné

Mit 73 gibt sich die französische Regie-Legende André Techiné jugendlicher denn je. „Mit Siebzehn“ erzählt von der Achterbahn der Gefühle beim Erwachsenwerden.

| Von Otto Friedrich

Sowohl das Genre Coming-of-Age als auch das Thema Coming Out schien Frankreichs Altmeister André Techiné schon vor bald einem Vierteljahrhundert mit „Wilde Herzen“ (1994) abge-hakt zu haben. Doch nun kommt die Regielegende bei „Mit Siebzehn“ erneut zur Sache – und zu was für einer!
Das Ungestüm der Jugend, das Entdecken wie Verleugnen von Anziehung und Lust sowie die Liebe in Zeiten des Kriegs – und das heute: All das packt der 73-jährige Techiné in diesen durch und durch packenden Film. Erwachsen werden ist schwer, das Ausloten der sexuellen Orientierung nicht minder – und beides beschäftigt die (Film-)Kunst seit jeher, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Die Zeitlosigkeit des Themas wird aber gerade in der Zeitgebundenheit der Darstellung offenbar – einmal mehr in diesem Film.

Aufregende Mannwerdungen

Damien und Thomas sind Schüler eines Lycées in den französischen Pyrenäen. Damien ist Sohn der Dorfärztin Marianne, Thomas Adoptivkind eines Bauern-paares, dessen Hof mitten im Gebirge liegt. Thomas, halb Nord-afrikaner, und Damien können sich nicht ausstehen, sie attackieren einander psychisch und körperlich, wo sie nur können. Doch die nach außen so sichtbare Abstoßung geht mit einer sich zunächst heimlich anbahnenden Anziehung einher: Die Stiere müssen sich ihre Hörner abstoßen, bis sie zu den wahren Gefühlen vordringen.
Man könnte auch konstatieren, erst ein altersweiser Techiné war imstande, das perfekt auf den filmischen Punkt zu bringen. Es ist eine Freude, den beiden Burschen bei ihrer Mannwerdung zuzuschauen. Dass dies gleichzeitig mit dem Zulassen von Gefühlen und der Rebellion einhergeht, lehrt die Lebenserfahrung.
Der Plot von „Mit Siebzehn“ kreist einerseits um Marianne, die von Sandrine Kiberlain unnachahmlich bodenständig und 
nuanciert dargestellt wird. Sie bringt diese streitlustigen Boys zusammen (ohne die Konsequenzen zu ahnen), und sie 
wird für die beiden zum Objekt der Fürsorge, als Mariannes Mann (und Damiens Vater) bei einem Kriegseinsatz ums Leben kommt.
Erwachsen werden bedeutet auch, sich einer zerbrechenden Seele annehmen zu können – Damien wie Thomas gelingt dies auf ihre je eigene Weise. Dazu kommt, dass rund um die Burschen zwei Welten aufeinanderprallen – das „Landleben“ im kargen Bergbauernhof, wo sich Thomas so zu Hause weiß, und der Ärztinnenhaushalt, in dem Damien groß wird. Auch der archaisch anmutende Gegensatz zwischen Natur und Kultur wird in diesem Setting zum Thema.

Alle Register der Intimität gezogen

Das Erstaunlichste an „Mit Siebzehn“ ist aber die Schauspielleis-tung der Darsteller der beiden Burschen. Damien wird vom bei den Dreharbeiten erst 16-jährigen Schweizer Kacey Mottet Klein, der schon als Kinderschauspieler (z. B. „Winterdieb“ 2012) reüssierte, gespielt. Den Part des Thomas übernahm der um zehn Jahre ältere Corotin Fila, für den dies die erste Filmrolle überhaupt war. Die Urwüchsigkeit von Fila und das fragile, um Zuneigung heischende Naturell, wie es Klein verkörpert, bauen die Spannung auf, aus welcher der Film lebt.
Der physische, emotionale und auch alle Register der Intimität ziehende Einsatz der jungen Prot-agonisten erweist sich als filmische Großtat, die zweifelsohne wesentlich der Führung durch André Techiné zu verdanken ist. Auch wenn dieser Filmemacher schon hinter Schülern wie Olivier Assayas oder Mia Hansen-Løve zu verblassen schien, so zeigt „Mit Siebzehn“, dass dieser Regisseur beileibe nicht zum alten Eisen gehört.


Mit Siebzehn
(Quand on a 17 ans)

F 2016. Regie: André Techiné.
Mit Sandrine Kiberlain, Kacey
Mottet Klein, Corentin Fila.
Filmladen. 116 Min.
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