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Flugschnee - 16/2017

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„Schnee, der alles zudeckt“

| Von Maria Renhardt

„Nach Hause möchte ich.“ Diesen lapidaren Satz, der in seiner Vieldeutigkeit erst viel später aufgeht, stellt Birgit Müller-Wieland an den Beginn ihres neuen Romans „Flugschnee“. Da scheint es in einer Familie jede Menge Geheimnisse zu geben – quer durch das gesamte verwandtschaftliche Geflecht.
Der polyphon und vielschichtig angelegte Roman der in Oberösterreich geborenen Autorin führt in den Norden Deutschlands. Die Handlung pendelt zwischen Hamburg und Berlin und entfaltet ihr zeitliches Tableau zwischen dem Jetzt und einem 20 Jahre zurückliegenden Dezember, der in einer großen Rückblende an Plastizität gewinnt, weil er zur Triebfeder gegenwärtiger Ereignisse wird.
Im Mittelpunkt steht eine Familie, deren Mitglieder erst im Laufe der Zeit erfahren, was sie einander alles verheimlicht haben. Dass Simon, Lucys Bruder, verschwunden ist, schwebt über allem. Niemand weiß, wo er ist und warum er sich aus dem Staub gemacht hat. Lucys Eltern leben getrennt. Der Vater hat eine neue Familie, die Mutter arbeitet als Bildhauerin. Das Verhältnis ist schwierig.
Lucy selbst kommt mit ihrem Leben nicht mehr zurande. Eine tiefe Erinnerungsspur geht zurück zu den Großeltern väterlicherseits nach Hamburg, bei denen sie immer das Weihnachtsfest verbracht haben. Dieser Ort der Kindheit und die Erinnerung an den Schnee werden für Lucy zu einem tückischen Vexierbild, weil sie dem Verschwinden ihres Bruders nachgeht, alle (Traum-)Fäden aufnimmt und dabei auf Schuld und geheimnisvolle, ja geradezu erschreckende Angelpunkte familiärer Lebenswege stößt. Vererben sich auch Traumata?
Als Leitmotiv fungiert der Schnee, der alles zudeckt und unter sich begräbt, auch ein Verbrechen, und genauso kalt ist wie der Stein, den Vera bearbeitet. Der dementen Großmutter „hüpfen die Wörter weg“, aber ihr Wappenring bringt einen Stein ins Rollen. Und Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands“ wird zu einem Schlüsselwerk. Müller-Wielands schwebendes, bildreiches Erzählen gestaltet sich äußerst spannend und lässt vieles offen. Bleibt die tröstliche Erkenntnis, dass es Zeit ist, ins „eigene Leben loszumarschieren“.


Flugschnee
Roman von Birgit Müller-Wieland
Otto Müller 2017
343 S., geb., € 20,–
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