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I Am Not Your Negro - 24/2017

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Aus der schwarzen Geschichte

„I Am Not Your Negro“ und „All Eyez on Me“: Zwei Filmporträts schwarzer Poeten erzählen vom afroamerikanischen Emanzipations-Kampf in den USA der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

| Von Thomas Taborsky

Der Pulverrauch der neuen US-Adminis-tration verdeckt nicht nur die Sicht auf viele ihrer Maßnahmen, die für sich genommen das Potenzial hätten, breite Empörung auszulösen. In ihm verliert sich auch viel vom neuerlichen Anschwellen des Rassismus, von Dingen wie den Galgenstricken, die u. a. im frisch eröffneten African-American History Museum hinterlassen wurden – Hassbekundungen mit dem Verweis auf die Lynchverbrechen, die in den Südstaaten weit ins 20. Jahrhundert hinein gegen Schwarze verübt wurden.
In dieser Hinsicht drängen sich nun zwei Filme auf, zwei Porträts schwarzer Poeten unterschiedlicher Generationen, die Geschichte zeigen und sie zugleich verhandeln. Der künstlerisch mächtigere der beiden ist zweifellos „I Am Not Your Negro“, die in Bilder gegossene Interpretation eines 30-seitigen Buchfragments, das der Schriftsteller James Baldwin (1924–87) hinterließ. Unter dem Titel „Remember This House“ wollte er sich drei Männern widmen, die er persönlich kannte, und die innerhalb von fünf Jahren alle ermordet wurden: dem Bürgerrechtler Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King.
Regisseur Raoul Peck („Lulumba“, „A United Kingdom“), ein Veteran des politischen Films, bestimmt Baldwin zum ausschließlichen Erzähler dieses Werks. Auch zwischen historischen Ausschnitten, etwa der Rede an der Universität Cambridge, sind es seine Worte, die eine persönliche, weitgreifende Kette der Argumentation errichten.

Damalige Brennpunkte mit heute verknüpft

Etwa durch Baldwins Beziehung zum Kino, durch die reaktionäre Ideologie, die er in weichgespülten Komödien mit Doris Day und Rock Hudson verortete, oder die Enttäuschung, die der für Weiße immer noch bahnbrechende „Rat mal, wer zum Essen kommt“ aus afroamerikanischer Sicht darstellte. „Immer noch“ ist das entscheidende Charakteristikum von „I Am Not Your Negro“. Peck verknüpft Baldwins Schlüsse mit der Gegenwart, damalige Brennpunkte mit heutigen, damalige Opfer mit jenen der Jetztzeit.
Er verbindet die Idee von Fortschritt mit Ernüchterung, die Vorhersage Robert F. Kennedys vom schwarzen Präsidenten binnen 40 Jahren mit Barack Obamas Realität. Messerscharf ist der Intellekt Baldwins, ist die Montagearbeit dieses Films, der so herrlich sinnieren lässt, ob Geschichte linear ist oder sich im Kreis dreht.
Ein Gedanke, mit dem auch eine weitere Produktion spielt: „All Eyez on Me“, ein klassisches Biopic, beleuchtet das kurze Leben des Rappers Tupac Shakur, der dieser Tage seinen 46. Geburtstag gefeiert hätte. Der lange Arm der Mächtigen, der Unterdrückung, ist das, was ihm als Kind aus dem Umfeld der Black-Panther-Bewegung auf den Weg mitgegeben wird: „Sie werden hinter dir her sein … dir das Werkzeug geben, das du brauchst, um dich selbst zu vernichten.“
Während sich diese Prophezeiung langsam erfüllt, ergreift der Film Partei für Tupac, präsentiert hinter dem Image des Gangsterrappers einen Philosophen, der Shakespeare schätzt. Die Wirkung des Sys-tems, der Machenschaften anderer, hätten ihn radikaler werden lassen, führten zu seiner Ermordung, so die These. Lustlos sind wichtige, prägende Momente aus Jugend und Karriere aneinander gekleistert, ist dieser Film, der in die Kerbe warnendes Beispiel schlägt, zu banal, als dass man vor ihm warnen müsste.


I Am Not Your Negro
USA/F/B/CH 2015. Regie: Raoul Peck.
Polyfilm. 93 Min.

All Eyez on Me
USA 2017. Regie: Benny Boom.
MIt Demetrius Shipp Jr.,
Danai Gurira, Kat Graham.
Constantin. 140 Min.
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