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Geschwister - 22/2017

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Keineswegs das erhoffte Paradies

Michael Mörths Spielfilmerstling „Geschwister“ ist ein leises Roadmovie einer Flucht von Moldawien nach Deutschland. Eine Odyssee durchs zerrissene Europa von heute.

| Von Otto Friedrich

Fluchtgeschichten sind auch für den Film eines der Themen der Zeit. Eine Fluchtgeschichte, inspiriert aus realen Versatzstücken, legt Markus Mörth auch seinem Langfilmerstling zugrunde: In „Geschwister“ erzählt der 44-jährige Grazer die Odyssee eines Geschwisterpaares aus Moldawien nach Westeuropa.
2005 hat er im Grazer Flüchtlingshaus Zivildienst geleistet und viele Dinge, die nun auch im Film vorkommen, erlebt. Und da war dann auch der Zeitungsbericht über einen 17-jährigen Moldawier, der einen 30-jährigen Rumänen in Graz-Gösting mit fünf bis acht Messerstichen niederstreckte.

Drehbuch – Roman – Film

Zunächst entstand aus derartigen Versatzstücken ein – preisgekröntes – Drehbuch, dann 2012 der Roman „Geschwister“. Und schließlich doch der Film, der das Ziel der beiden nun in München verortet.
Ein Road Movie, eine Odyssee aus dem Elend Europas ins vermeintliche Glück des Kontinents: Wenige Tage bevor die Flüchtlingskrise 2015 die Grenzen neu erstehen ließ, sei man mit den Dreharbeiten fertig geworden, so Mörth.
Moldawische Verhältnisse sind es, die die junge Erwachsene Bebe und ihren minderjährigen Bruder Mikhail bedrängen, ihr Heimatland zu verlassen – nur traumatische Erinnerung und einen Sack Erde sowie etwas Geld im Gepäck.
Bebe und Mikhail trampen durch Rumänien, geraten an einen serbischen Schlepper – und werden, nachdem sie die Donau überquert haben, getrennt. Bebe fällt Menschenhändlern anheim, Mikhail muss sich derweil über die Kontaktleute des Schleppers durchschlagen – bis er die Schwester befreien kann und beide per Fernlaster nach Deutschland kommen.
Doch das ersehnte Ziel erweist sich keineswegs als das erhoffte Paradies: Moldawier erhalten nur selten Asyl, die Mädchenhändler aus Serbien sind Bebe und Mikhail auf den Fersen, und der Bursch kann, obwohl sein zeichnerisches Talent offenkundig ist, keine entsprechende Schule besuchen – ohne abgeschlossenes Asylverfahren geht nichts. Gar nichts.
Auch die Beziehung zu einem deutschen Sozialarbeiter,die Bebe eingeht, rettet nicht, und der Sack an Traumata, den Mikhail mit sich schleppt, bedroht seine und seiner Schwester Existenz.

Authentisch: Abdulkadir Tuncer

„Geschwister“ ist trotz der Dramatik ein leiser Film mit vielen Zwischentönen: Mörth zeichnet zwei Schicksale, die ineinander verstrickt sind, in die sich aber auch Geschwisterliebe und -rivalität gleichermaßen mischen.
Dass der Plot des Films aufgeht, liegt wesentlich an den Hauptdarstellern, der rumänischen Schauspielerin Ada Condeescu, aber vor allem an der Perfor-mance des türkischen Wieners Abdul-kadir Tuncer, der bereits in Filmen von Hüseyin Tabak und Umut Dag reüssieren konnte: Wie authentisch Tuncer seinen Mikhail anlegt, ist auch ob seiner beim Dreh gerade 16 Jahre einmal mehr erstaunlich.


Geschwister
A/D 2015. Regie: Markus Mörth. 

Mit Ada Condeescu, Abdulkadir Tuncer.
Cuemark. 152 Min.
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