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Song to Song - 21/2017

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Hier regiert Malick. König

Mit „Song to Song“ präsentiert US-Regisseur Terrence Malick einen filmischen Liebesreigen.
Doch sein bedeutungsschwerer Bildfluss wirkt eher irritierend.


| Von Thomas Taborsky

Von der Ausbeute her hat das Schaffen von Terrence Malick- eine dramatische Wendung genommen: Hatte der öffentlichkeitsscheue Amerikaner einst nach „In der Glut des Südens“ eine zwanzigjährige Pause eingelegt, bis er sich mit der Kriegsmeditation „Der schmale Grat“ wieder auf der Bildfläche zurückmeldete, so jagt jüngst ein Werk das andere. Der Liebesreigen „Song to Song“ ist nun der neueste Spross aus dieser hochproduktiven Phase, die von eigenen, inneren Zusammenhängen bestimmt ist, welche erst noch dabei sind, sich zu erschließen.
Wer sich etwa an die überwältigende, aus „The Tree of Life“ ragende Bildmontageflut über die Geschichte der Welt erinnert, den wird es nicht wundern, dass Malick im Geiste dieser Szene vergangenes Jahr die Doppeldoku „Voyage of Time“ vorlegte. „Song to Song“ lehnt sich wiederum am stärksten an „Knight of Cups“ an, nicht nur weil er unmittelbar im Anschluss gedreht wurde und wichtige Teile der Besetzung übernahm – von der es ein erklecklicher Teil wiederum gar nicht in die finale Fassung schaffte.

Mäandrierender Gedankenstrom

Dem Vernehmen nach ohne Drehbuch gemacht, ist der Film ein mäandrierender, rein vom Schnitt bestimmter Gedankenstrom, in dem sich die Figuren auf wenig vorhersehbaren Bahnen bewegen, begegnen, beeinflussen. Seine Handlung, wenn man es so nennen will, kreist um drei Personen: BV (Ryan Gosling), einen aufstrebenden Musiker, Cook (Michael Fassbender), einen Szeneproduzenten, und die Sängerin Faye (Rooney Mara), die zu beiden eine Beziehung hat. Zum einen Mann ist es Liebe. Der andere zieht sie auf zerstörerische Weise an, so wie er über alles Macht ausübt: „Hier regiere ich. König,“ blickt er über sein Reich, ein teurer Spielplatz, der auch eine hübsche Kellnerin (Natalie Portman) einsaugt, nur um sie an der Ehe mit Cook zerbrechen zu lassen. Er weiß, dass er ein Dämon ist, unter dem andere leiden, und hat damit leben gelernt: „Ich war einst wie ihr. Ich wusste nicht, was ich jetzt weiß.“ Bedeutungsschwangere, philosophierende Satzhülsen durchziehen die inneren Monologe, die durch ihren Kommentar andeuten, was hier zu sehen ist. Wenige Arbeiten fühlen sich so frei von chronologischen Gegebenheiten an wie „Song to Song“, der Formales wie die beim Film übliche Continuity zu verbannen scheint; der sinnieren lässt, wie schnell sich die Geschichte zu einer anderen formen würde, wenn es Malick nur gefiele, die Szenen umzustellen. Auch wenn am Ende wieder alles durchkomponiert ist. In stetigem Auf- und Abschwellen knüpft sich dieser Bildfluss auch eine musikalische Kette von Lied zu Lied, von klassischen Elementen wie Händel oder Ravel bis Hochmodernem wie den südafrikanischen Rappern von Die Antwoord oder Lykke Li, die genauso eine Nebenrolle übernahm wie die Songlegende Patti Smith. Das sinnvolle Integrieren all der Stars, das Vermeiden des reinen Namedroppings, fällt dem Film noch schwerer als es schon bei seiner ablenkend illustren Besetzung ist. Pure Ironie daher, dass sich manche seiner Figuren nach einem einfachen Leben sehnen, umgeben am besten dabei noch von ausgesuchtesten Motiven.

Durchdesignte Szenerie

Nicht nur dort, wo sie die Charaktere erdrücken sollte, wirkt die Szenerie durchdesignt; nein, überall tummeln sich Elemente wie silbern überzogene Küchenfliesen, die dann auch mehr irritieren als sie stimmig sind. Zumindest gibt Kamerameister Emmanuel Lubezki dem allen einen gloriosen Anstrich, verleiht selbst dem völlig regulierten Gewässer unter einer Brücke Schönheit. Daran, dass der Film nur die wenigsten ansprechen wird, ändert aber auch das nichts. Am Beginn mehr sein eigener Trailer denn Film; danach, um es musikalisch zu umschreiben, ein Jam, ein Herumexperimentieren, das manchmal ins Performative, manchmal eher ins Leere geht, ist die überbordende Bedeutung, die all dem beigemessen wird, schwer zu ertragen.


Song to Song
USA 2017. Regie: Terrence Malick.
Mit Ryan Gosling, Rooney Mara,
Michael Fassbender.
Constantin. 128 Min.
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