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Victoria – 21/2017

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Das Leben ist wirklich kompliziert

Eine Karrierefrau schlittert in die Krise: Virginie Efira glänzt in „Victoria“.

| Von Walter Gasperi

Die Enddreißigerin Victoria Spicks (Virginie Efira) ist im Beruf als Anwältin selbstsicher, souverän und bestens strukturiert, privat bekommt sie aber derzeit nichts auf die Reihe. Schon bei der Produktion eines kleinen Hochzeitsvideos wirkt sie verkrampft und kann die gewünschte Botschaft nicht prägnant und locker präsentieren. In ihrer Wohnung sieht es so chaotisch aus wie in ihrem Leben. Vom Psychotherapeuten hastet sie zur schwergewichtigen afrikanischen Wahrsagerin, die ihr mehr die aktuelle Situation als die Zukunft schildert, während die beiden etwa dreijährigen Töchter ihre alleinerziehende Mutter kaum noch zu Gesicht bekommen. Kein Wunder, dass ihr Babysitter kündigt.
Stress verursacht zudem noch ihr Ex-Mann (Laurent Poitrenaux), als dieser beginnt, nicht nur ihre Beziehung, sondern auch Details aus ihrer Anwaltstätigkeit auf einem Literaturblog publik zu machen. Mehr als genug Probleme wären das schon, doch dann handelt sich Victoria auch noch beruflich Ärger ein, als sie die Verteidigung eines Bekannten (Melvil Poupaud) übernimmt, der beschuldigt wird, seine Freundin niedergestochen zu haben.

Belastungen des Alltags

Eindrücklich vermittelt Justine Triet in ihrem zweiten Spielfilm „Victoria – Männer und andere Missgeschicke“ mit schnellem Szenenwechsel und rasanten Dialogen die Rastlosigkeit der Protagonistin. Mit Verve, Leidenschaft und sichtlichem Vergnügen spielt Virginie Efira, die binnen eines Jahres mit den drei Komödien „Birnenkuchen und Lavendel“, „Familie zu vermieten“ und „Mein ziemlich kleiner Freund“ die Herzen des Publikums eroberte, diese Anwältin. Das Kraftzentrum und der Motor dieses leichthändig zwischen Komödie und Drama pendelnden Films ist die 40-jährige Belgierin, die ihre Figur nach dynamischem und lebensfrohem Beginn in eine zunehmend schwerere Krise bis hin zur Depression schlittern lässt. Kritik an Karrierefrauen liegt Triet dabei fern, sie will vielmehr aufzeigen, welch schwere Folgen die vielfältigen Belastungen des Alltags haben können. Trotz des im Grunde ernsten Themas hat die 38-jährige Französin dabei keine Angst, zum Gaudium des Publikums Situationen und Figuren zu überzeichnen. Zu den komödiantischen Glanzstücken zählen so Auftritte eines Schimpansen und eines Dalmatiners als Zeugen vor Gericht oder ein aberwitziges Gerichtsplädoyer Victorias in benebeltem Zustand.
Unübersehbar ist in diesen Szenen und den rasanten Dialogen der Einfluss der klassischen amerikanischen Screwball-Komödie, gleichzeitig kommt auch die realistische Schilderung des Gerichtsalltags und der Situation als alleinerziehende Mutter nicht zu kurz. Überzeugend lässt Triet ihre Protagonistin dabei auch einen Lernprozess durchmachen – lässt sie erkennen, dass sie sich auch Momente der Ruhe gönnen muss, um in der Hektik nicht die Menschen in ihrer nächsten Umgebung zu übersehen, die wesentlich zu ihrem Glück beitragen können.

Victoria – Männer und andere
Missgeschicke (Victoria)

F 2016. Regie: Justine Triet. 

Mit Virginie Efira, Vincent Lacoste.
Filmladen. 97 Min.
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