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Zeitverschiebung - 45/2016

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„Aber greifen wir nicht vor“

| Von Veronika Schuchter

„Und dennoch“, rief ich, ‚muss man alles der Reihe nach erleben! Du magst das jetzt für unterkomplex halten, für ignorant, für deutsch – aber meine Lebenszeit kennt nur eine Richtung. Stur linear. Und auch du entkommst der Chronologie nicht. Das Bewusstsein kann mal was durcheinander werfen, das Gedächtnis sowieso – aber selbst wenn ich in Erinnerungen versinke; es geht immer nur weiter, allen Gedankenspielen zum Trotz.“
Was die Protagonistin in Almut Tina Schmidts Roman „Zeitverschiebung“ für sich beansprucht, trifft auf ihren Text erfreulicherweise nicht zu. Die titelgebende Zeitverschiebung ist der entscheidende literarische Kniff der Autorin und macht das Buch lesenswert.

Zeit spielt die Hauptrolle

Die Handlung ist nämlich reichlich unspektakulär: Die Ich--Erzählerin hadert mit ihrer Diplomarbeit über Jack Kerouacs Beatnik-Klassiker „On the Road“, fährt auf eine Hochzeit, verliebt sich dort in Jan, mit dem sie schlussendlich auch zusammenkommt. Sie zieht um, wird schwanger, soviel darf man verraten, denn erzählt wird ein ziemlich alltägliches Leben. „aber greifen wir nicht vor“, ein Zitat aus Becketts „Warten auf Godot“ stellt Schmidt ironisch einem Kapitel voran und macht genau das Gegenteil. Aus dem sich gemächlich chronologisch fortbewegenden Haupterzählstrang blitzen kürzeste Vorausblenden, die die Gegenwart relativieren und in einem anderen Licht erscheinen lassen. Das ist natürlich nicht völlig neu, Anna Seghers „Der Ausflug der toten Mädchen“ oder Muriel Sparks (bei uns leider wenig bekannter) Roman „The Prime of Miss Jean Brodie“ sind meisterhafte Vorbilder. Auch Schmidt versteht es, diese Technik effektvoll einzusetzen. Zeit spielt die Hauptrolle, sie wird verschwendet oder verloren, nicht zufällig ist die Erzählerin notorisch unpünktlich und stellt zum Ausgleich ihre Uhr vor. Erdbeben, Terroranschläge – tägliche Katastrophenmeldungen bilden das unsanfte Hintergrundrauschen zum wenig außergewöhnlichen Leben der Protagonistin. Zeit ist relativ, das ist keine herausragende Erkenntnis, wird von Schmidt aber schön in Szene gesetzt.


Zeitverschiebung
Roman von
Almut Tina Schmidt
Droschl 2016, 192 S.,
geb., € 19, –
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