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Frühstück bei Fortuna - 45/2016

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Gegen Trends der Welt

| Von Maria Renhardt

Da ist zunächst einmal eine „rettungsbesessene“ Stammzellenforscherin mit bedingungsloser Liebe zu den Zellen und zum Wald. Die Gesetze des Marktes interessieren sie nicht. Auch Macht nicht. Sie ist anders. Und da ist – nach Leo – Erik, ein Stadtmensch, der an sie grenzt „wie an nichts sonst“. Er hat Geld, ist erfolgreich und egomanisch. Aber bei einer, die Zellen als „lebendige Diamanten“ betrachtet, hat er letztlich wohl keine reale Chance: „Sie lebt unter einem Kokon, der sie schützt vor mir und allen; der sie als Original erhält gegen diese Trends der Welt“, heißt es im Prolog.
Mit diesen Koordinaten steigt Elisabeth Reichart in ihren neuen Roman „Frühstück bei Fortuna“ ein. Nach einem Exkurs in die Lyrik wendet sie sich nun erneut der Prosa zu. Die Gratwanderung dieser Liebe ist aber nur ein Zopf, den Reichart in diese Handlung strickt. Eng verwoben mit der Geschichte dieser schwierigen Paarbeziehung ist die überbordende Gesellschaftskritik der Protagonistin, die über Strömungen wie den Neoliberalismus, soziale Ungerechtigkeiten, Konsum- und Wachstumswahn, mangelndes Geschichtsverständnis, politische Radikalisierung und Rechtspopulismus oder mangelnde Solidarität in der Flüchtlingsfrage räsoniert. Schlussendlich wird auch der Mensch selbst im Spiegel der Zellforschung geprüft. Was sagen unsere Zellen über uns aus? Was weiß unser Blut über uns? „Würde sich die Angst in den Blutzellen spiegeln? Durch erstarrte Zellen?“ Wo sind in der Forschung die Grenzen zu ziehen?
Reichart entfaltet in diesem Roman ein Bündel interessanter Lebensfragen. Dennoch erscheint der Plot manchmal auch etwas konstruiert, wenn sich etwa eine alte, verwahrloste Frau, die am Institut heimlich zwei afghanische Flüchtlingsjungen versteckt, plötzlich als sich am Sohn rächende Mutter des Chefs entpuppt. Der Roman ist dort am stärksten, wo es um die Reflexion tiefer Emotionen, Kopfwanderungen und persönlicher Erkenntnisprozesse geht. Was bleibt? Man kann wie die Ich-Erzählerin „Urlaub machen, in Delphi vorbeischauen“ und die „Einwanderung“ in sich selbst fortsetzen.


Frühstück bei Fortuna
Roman von Elisabeth Reichart
Otto Müller Verlag 2016.
250 S., geb., € 19,–
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