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Die Hütte. Ein Wochenende mit Gott - 14/2017

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Ein Film wie honigsüßer Durchfluss

Der Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ wurde für die Leinwand aufbereitet. Und lässt der Fantasie keinen Fluchtweg mehr.

| Von Otto Friedrich

Die weltweite Verbreitung von William Paul Youngs Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ erreichte 22 Millionen verkaufte Exemplare, mehr als 70 Wochen stand das religiöse Werk an der Spitze der New York Times-Bestseller-liste. Nachdem derartige Reichweite jede inhaltliche Frage aussticht, war klar, dass über kurz oder lang eine Verfilmung her musste. Nun kommt selbige, monumentale 132 Minuten lang, in die heimischen Kinos.
Der Stoff des Romans fußt zweifelsohne in einer US-amerikanisch geprägten evangelikalen Spiritualität. Dabei ist es sicher interessant zu untersuchen, warum sich die Geschichte weltweit so gut verkaufte. Andererseits kam gerade aus dem evangelikalen Hardcore-Lager die größte Ablehnung: Young mache aus der Dreifaltigkeit nur drei menschliche Gestalten, er leugne die Gottvaterschaft, halte sich nicht ans Neue Testament und fröne einem Pantheismus.
Das stimmt schon, wie man auch in -Stuart Hazeldines Verfilmung sehen kann. Gottvater heißt zwar Papa, ist aber eine reife schwarze Frau – Typ Oprah Winfrey (Octavia Spencer) – oder hin und wieder ein alter Indianer. Gottsohn zeigt sich als israelischer Tischler, und der Heilige Geist ist erstens gleichfalls weiblich und zweitens eine Asia-tin namens Sarayu. Schließlich tritt, quasi als fünfte göttliche Person, noch Sophia, die Weisheit, in Menschengestalt einer Brasilianerin auf: All das ist dogmatischer Nonsens und doch auch wieder nicht, weil in dieses Gottesbild sozusagen die ganze Welt und alle Arten von Menschenbildern hineingedacht erscheinen.
Dieses göttliche Gestaltenkonglomerat nimmt sich eines Menschleins namens Mack an, das mit schlimmer Kindheit und – noch weit ärger – mit dem Verlust der jüngsten Tochter durch einen Serienkiller geschlagen ist. Mack (Sam Worthington) befindet sich, zeigt der Film, in Dauerdepression, aus der er erst wieder mit der Gottesbegegnung in der Hütte, in der seine Tochter mutmaßlich ermordet wurde, herausfindet.

Triefende Opulenz deckt Fragen zu

Ob der weibliche oder männliche Papa oder auch Sarayu und die anderen Gottesgestalten: Alle sind warmherzig lächelnde Wesen, die ein Trübsal blasendes Menschenkind schon allein durch ihre Freude und ihr Dauergrinsen anrühren.
Mag im Roman ja der ausmalenden Fantasie des Lesers einiges anheimgestellt bleiben, so lässt die opulente Bilderflut des Films dieser keinen Fluchtweg mehr: Lichtdurchflutete Landschaft, vorzugsweise in der Farblichkeit eines Sonnenuntergangs gefilmt, satte Wiesen und betörende Natur – und inmitten darin die unablässig freudigen Gottesantlitze: In derartiger Kitsch-orgie werden die existenziellen Abgründe, um die es hier ja geht, mit triefender Opulenz zugedeckt.
Die ewig umtreibenden Fragen, wie der gute Gott die Schrecklichkeiten, die hier Mack widerfahren, zulassen kann, und wie und ob man dem Mörder der Tochter oder dem prügelnden Vater vergeben kann, werden so ganz und gar harmlos. Ein Film wie die Zuckerkrankheit. Die wurde bekanntlich von antiken Medizinern als „Diabetes mellitus – honigsüßer Durchfluss“ bezeichnet. Womit auch alles über „Die Hütte – Ein Wochenende 
mit Gott“ gesagt wäre.


Die Hütte. Ein Wochenende mit Gott

(The Shack)

USA 2017. Regie: Stuart Hazeldine.
Mit Sam Worthington,
Octavia Spencer, Sumire.
Constantin. 132 Min.
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