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Wo die Geschichten wohnen - 14/2017

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Liebeserklärung an die Welt der Bücher

| Von Kathrin Wexberg

Ein (abfotografiertes) Tintenfass ist auf der ersten Seite dieses quadratischen Bilderbuchs zu sehen, gegenüber ein leeres, leicht vergilbtes Blatt Papier, auf dem eine altmodische, bereits in die Tinte getunkte Schreibfeder liegt. Das Blatt wird im Folgenden noch eine wesentliche Rolle spielen, wird es doch zum Windsegel eines Bootes, mit dem die kindliche Ich-Erzählerin „über ein Meer von Wörtern segelt“, um einen Jungen einzuladen, ihr in eine „Welt voller Geschichten“ zu folgen. Oliver Jeffers, der bereits mit „Der unglaubliche Bücherfresser“ (2007) und „Der Streik der Farben“ (2016) sein Talent an Fragen der Metafiktion gezeigt hat, findet in Sam Winston einen kongenialen Partner, der sein ganz besonderes Gespür für Typographie unter Beweis stellt: Denn die beiden Figuren bewegen sich in Landschaften, die Winston aus Texten sowie Büchern gestaltet. So wird ein Gebirge erklommen, das aus Zeilen des „Peter Pan“-Textes gestaltet ist, später verlieren sich die Figuren „Hänsel und Gretel“ gleich in einem Zauberwald, dessen Baumstämme aus Büchern und dessen Äste aus Märchenzitaten bestehen.

Gewaltige Wort- und Farbexplosionen

In unterschiedlichen Gemütszuständen entsteht so eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher, die ohne jeden moralischen Zeigefinger auskommt. Die Vielfalt wird implizit sowie verspielt erfahrbar: auf die reduzierten und zugleich wunderbar arrangierten Bilder, die die Figuren kinderleicht mit der literarischen Welt interagieren lassen, folgt eine gewaltige Farb- und Wortexplosion, die den Kosmos des Lesens und der Fantasie in eine atemberaubende Umlaufbahn bringt. Wenn Grinsekatze, Rotkäppchen, und viele weitere, bunt ausgeführten Literaturreferenzen durch das Bild jagen, scheinen die Künstler das eingangs gesetzte Zitat Muriel Rukeyser zu paraphrasieren: „The universe is made of stories, not of atoms.“
Spannend mit Blick auf das Handlungssys-tem Kinder- und Jugendliteratur ist die Tatsache, dass auch ein so bibliophiles Buch im Marketing auf kräftigen Social-Media-Einsatz setzt: So lud der britische Verlag der Originalausgabe „A child of books“ auf Twitter dazu ein, zu posten, was einen selbst zu einem „child of books“ gemacht habe – Salman Rushdie etwa verwies auf den Einfluss, den „Alice im Wunderland“ auf ihn ge-habt habe. Dank des stimmigen Miteinanders von Text und Bild, dem kreativen Einsatz der Typographie und der charmant illustrierten Zuneigung zu Literatur, wird die Welt dank dieses Bilderbuches wohl viele weitere „Bücherkinder“ mit Geschichten wie dieser versorgen dürfen.


Wo die Geschichten wohnen
Bilderbuch von Oliver Jeffers und Sam Winston
Übersetzt von Brigitte Jakobeit
mixtvision 2017
40 S., geb. ,

€ 15,40
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