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Auf Ediths Spuren - 13/2017

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Von Licht und Dunkel der Tante Spionin

Edith Tudor-Hart (1908–73) war eine Wiener Jüdin, die in England als Fotografin reüssierte – und nach ihrem Tod als KGB-Agentin aufflog. Ihr Neffe Peter Stefan Jungk geht dem in „Auf Ediths Spuren“ nach.

| Von Otto Friedrich


V or zwei Jahren legte Peter Stefan Jungk seinen beachtlichen bio-grafischen Roman über Edith Tudor-Hart, die Cousine seiner Mutter, vor (FURCHE 48/2015). Die 1908 als Edith Suschitzky in Wien geborene Jüdin war nach London emigriert und wurde dort als erste weibliche Fotografin bekannt, die vor allem von sozialen Brennpunkten und vom Leben abseits von High Society und Glamour in ihren Bildern erzählte.

„Meisterspion“ Kim Philby rekrutiert

Aber mindestens so brisant waren Anfang der 1990er-Jahre die Enthüllungen, die Edith Tudor-Hart als eine Schlüsselfigur des stalinistischen Geheimdienstnetzes identifizierten. Jungks Tante war damals bereits fast 20 Jahre tot. Aber was damals zu Tage kam, zeigte, wie sehr Edith Tudor-Hart in die schlimmste Spionage-Affäre Britanniens verwickelt war. Sie war an der Rekrutierung von Kim Philby beteiligt, dem bekanntesten der „Cambridge Five“, jener Upper Class-Boys, die höchste politische und militä--
rische Geheimnisse an Moskau verrieten.
Jungk ist den vielfältigen Spuren seiner Tante nachgegangen – und hat in mühevoller, teilweise auch frustrierend erfolgloser Arbeit versucht, das Leben der Verwandten zu rekonstruieren. Vor allem die russischen, aber auch die britischen Geheimarchive standen dem Schriftsteller und Dokumentarfilmer nicht offen. Nach dem Roman hat Jungk mit „Auf Ediths Spuren/Tracking Edith“ einen beachtlichen Dokumentarfilm gestaltet, aus dem hervorgeht, was für eine bedeutende und zugleich immens zerrissene Zeitgenossin Edith Tudor-Hart war: Im Wien der Zwischenkriegszeit kommunis-tisch sozia-lisiert, gab es für Edith nach der Machtübernahme durch das Dollfuß-Regime keine Lebensgrundlage mehr. In England erarbeitete sie sich Reputation als Fotografin – und verstrickte sich in oft schwierige Beziehungen – die Ehe mit dem Arzt Alexander Tudor-Hart scheiterte, der gemeinsame Sohn Tommy musste den Großteil seines Lebens in psychiatrischen Anstalten verbringen. Ein Behandlungsversuch von Tommy durch den berühmten Kindertherapeuten Donald Winnicott führte zu einer Affäre mit Edith.

Agentin und Fotografin

Auch mit dem österreichischen Radio-chemiker Engelbert Broda, der an der britischen Atombombe mitarbeitete, hatte sie eine Liebschaft, sie überredete auch diesen Emigranten, seine Geheimnisse dem KGB preiszugeben. Edith Tudor-Hart kommt somit eine wichtige Rolle dabei zu, dass die Sowjetunion bereits 1949 die Atombombe bauen konnte. Und gleichzeitig blieb die Protagonistin eine Pionierin der Fotografie, ihre diesbezüglichen Verdienste wurden hierzulande erstmals 2013 in einer Ausstellung im Wien-Museum gewürdigt.
Man spürt in Jungks Film die akribische Arbeit, die hinter der Rekonstruktion dieser schillernden Biografie steckt. Die Kamera begleitet die Spurensuchen in England, Wien und Russland, animierte Filmsequenzen der Gruppe „Neuer österreichischer Trickfilm“ illustrieren zusätzlich Szenen aus diesem ganz und gar aufregenden Leben. Gesprächspartner Jungks im Film sind unter anderem die Schriftstellerin Anna Kim, der britische Militärhistoriker Nigel West und Ex-KGB-Mitarbeiter.
Am eindrücklichsten gestalten sich die Erinnerungen von Ediths Bruder Wolf Suschitzky, auch er Fotograf und Kameramann, der 2016 mit 104 Jahren verstarb. Zuvor konnte er Jungk für den Film – geistig wach – zu seinen Erinnerungen an Edith Tudor-Hart Rede und Antwort stehen. Auch Wolfs Sohn Peter, Kameramann der Filme von David Cronenberg sowie von Hollywood-Großproduktio--
nen wie „Star Wars“ , kommt im Film zu Wort.
Peter Suschitzky kommt auch zur Diagonale nach Graz. Dort gibt es am 1. April eine Hommage an seinen Vater Wolf Suschitzky. Und das Österreichische Filmmuseum zeigt noch bis 2. April alle Filme Peter Suschitzkys mit David Cronenberg.
„Mein Film ähnelt der Fahrt durch einen langen Eisenbahntunnel; alle Tunnel, so finster es in ihnen auch sein mag, verfügen über Notausgänge, schmale Lichtblicke an ihren Seiten.“ Mit diesen Worten beschreibt Peter Stefan Jungk seinen überaus gelungenen Film: „So wie es Auswege aus der Tunnel-Dunkelheit gibt, so fördert dieser Film, nach und nach, Geheimnisse aus Ediths Leben ans Tageslicht: Ihr erstes Leben als Schülerin von Maria Montessori und als Kindergärtnerin, ihr zweites Lebens als Bauhausstudentin und professionelle Fotografin, ihr drittes, geheimes Leben als Agentin.“ Treffender kann „Auf Ediths Spuren“ nicht charakterisiert werden.


Auf Ediths Spuren
Tracking Edith

A 2016. Von Peter Stefan Jungk. 

Stadtkino. 92 Min.
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