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T2 Trainspotting - 10/2017

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Eine Kunst mit Vorbedingungen

21 Jahre nach dem Kultfilm „Trainspotting“ wagt sich dessen Macher Danny Boyle an eine Fortsetzung. Auch die Stars von damals sind zwei Jahrzehnte gealtert. Aber sie meistern das neue Setting bravourös.

| Von Thomas Taborsky

„Choose life“ – Entscheide dich fürs Leben. Einer der wichtigsten Filme der 1990er legt damit los, dass ein Junkie diesen Slogan ins Gegenteil dreht. Erst am Schluss von „Trainspotting“ wählte Mark Renton, der Kleinganove aus Edinburgh, das Leben. Er werde genau so werden wie wir, versprach er, als sei es eine gefährliche, aus Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ entwischte Drohung. 20 Jahre sind vergangen, seit sich Renton mit dem Geld aus einem Drogendeal davon stahl.
Nun ist er wieder da, hält eine neue, frus-trierte Brandrede gegen die „Freiheiten“ der Gesellschaft. In vielerlei Hinsicht ist die Fortsetzung „T2 Trainspotting“ eine Echokammer, aus der Vertrautes dringt. So auch ihr oft bemühtes Motto: Zuerst gibt es eine Gelegenheit, dann gibt es einen Verrat. Der Verräter von einst kommt sich der Vergangenheit stellen. Renton sucht den Vater auf, die Kumpanen, von denen er meinte, er sei ihnen entwachsen. In seinem Jugendzimmer schreckt er vor den Klängen der alten Platte zurück. Süchtig ist er weiterhin, nur hat er sich statt dem Heroin ins Sportmachen verbissen.
Den traurig-naiven Spud findet er, als der gerade seinem patscherten Dasein ein Ende setzen will, drängt ihn zum Entzug. Auch Freund Simon steckt auf seiner vorgezeichneten Bahn fest. Mal erpresst er jemanden, mal hütet er einen schlecht gehenden Pub, dann macht er Pläne für seine Gauner-Partnerin, eine junge Prostituierte.
Ihm zu vertrauen, ist gleich gefährlich wie sich der Brachialgewalt von Begbie zu stellen, der, frisch aus der Haft geflohen, Mordlust bekommt, als er von Rentons Rückkehr hört. Verändert haben sie sich kaum, nur älter sind die Charaktere geworden, mit denen „Trainspotting“ reüssierte. Vergessene soziale Schichten, Perspektivlosigkeit, die Partyszene – was die Romanvorlage von Irvine Welsh enthielt, mischte Danny Boyle damals hochmodern in der Ästhetik von Musikvideos und Fieberträumen ab, fing damit das Gefühl einer Ära ein.

Epizentrum des britischen Kinos

Die unzähligen Nachahmer lassen seinen Einfluss genauso ermessen wie die Revitalisierung des britischen Kinos, die Neulinge wie Guy Ritchie („Bube, Dame, König, Gras“) fortsetzten. „Trainspotting“ ist deren Epizentrum, auch durch die Karrieren, die hier Fahrt aufnahmen – nicht nur jene von Danny Boyle, der später z. B. den Betroffenheits-Hit „Slumdog Millionär“ schuf und 2012 die Eröffnung der Olympischen Spiele in London inszenierte. Robert Carlyle („Ganz oder gar nicht“), Ewen Bremner („Black Hawk Down“), Jonny Lee Miller („Elementary“) und Ewan McGregor sind all die Jahre so präsent geblieben, dass die Fortsetzung die Frage aufwarf, ob sie in ihre „ur“-schottischen Rollen zurückkehren könnten. Überhaupt der Auftakt ihrer Laufbahn war der Film für Kelly Macdonald („Boardwalk Empire“). Das Wiedersehen mit ihr wird zum prägenden Was-wäre-gewesen-wenn-Moment von „T2 Trainspotting“.
In seiner besten Arbeit seit Langem macht Boyle es den Akteuren leicht, zurück in die Figuren zu kommen. Damals und Heute verschränkt er spektakulär, macht Renton zum „Touristen in deiner eigenen Jugend“, der seinem jüngeren Ich zusieht. Ein wenig sentimentaler und im Umgang mit der Realität der Figuren sanfter, kommentiert er die Gegenwart immer noch ironisch-bissig, wenn ewiggestrige Loyalisten übertölpelt werden oder slowenische Tourismusjobberinnen in Edinburgh willkommen heißen.
Aus der Gewissheit, seinem Vorgänger nicht entkommen zu können, so wie Renton seiner Vergangenheit nicht entkommen kann, macht „T2 Trainspotting“ jedenfalls eine Kunst. Eine Kunst mit Vorbedingungen, die mit Neuem im Gepäck an ikonische Plätze zurückkehrt. Die wieder auf den Soundtrack baut und mit der Erwartung spielt, wenn sie die eng mit ihr verbundenen Stücke von Underworld und Iggy Pop variiert. So wie sie selbst ein 2017er-Remix ist – und was für einer.


T2 Trainspotting
GB 2017. Regie: Danny Boyle.
Mit Ewan McGregor, Ewen Bremner,
Jonny Lee Miller, Robert Carlyle.
Sony. 117 Min.
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