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Gemischter Satz - 02/2017

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Schräger Liebesunfall

„Gemischter Satz“ nicht zum Trinken, sondern als ästhetisches Motto für Daniela Emmingers Novelle, in der ein Metaphernfeuerwerk entzündet wird.

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Von Veronika Schuchter


„Haben Sie schon einmal mit jemandem per Buch Schluss gemacht? Nein? Ich auch nicht. Aber es gibt bekanntlich für alles ein erstes Mal, wir lernen ja nie aus. Vielleicht handelt es sich in diesem Fall um meines.“ Der Auftakt von Daniela Emmingers Novelle „Gemischter Satz“ lässt einiges erwarten – oder vielleicht eher befürchten. „Sie merken schon, ein normales Buch wird das nicht“, kokettiert 
die Erzählerin weiter, bei dieser Ankündigung läuten die Alarmglocken. Hoch gesteckt sind jedenfalls die Ziele, dementsprechend werden die Leser gleich einmal aufgefordert: „strengen Sie sich ruhig ein bisschen an“. Ganz so schlimm wird’s dann nicht.
Interessant ist zunächst die Erzählsituation: Die Ich-Erzählerin berichtet von ihrem Leben, aber in der Dritten Person, sie kommentiert sich quasi aus der Distanz selber. Es ist die Geschichte vom Ende einer Liebe, davon, wie sich die Protagonistin Agatha in einer Beziehung verliert, erzählt in einer hochgradig traumatisierten Sprache. Die Liebe ist hier ein einziges Schlachtfeld: „Wenn Agatha liebte, war das schlimmer als die Pest.“

Agatha nervt ein wenig

Agatha geht mit ihrem Freund nach Berlin, wird dort aber nicht glücklich, die Beziehung scheitert und Agatha leidet. Sie leidet so sehr, dass es unerträglich wäre, würde nicht die Erzählerin immer wieder ironisch eingreifen: „Wie soll es denn jetzt weitergehen, Agathalein, uns reicht es nämlich langsam mit dir“. Damit hat sie leider Recht. Agathalein nervt ein wenig und der Grat zwischen ironisch-kokettierender Selbstbetrachtung und trivialer Selbstfindungsprosa ist ein schmaler.
Das Thema ist aber ohnehin von nachrangiger Bedeutung. Das Markenzeichen der 1975 geborenen Oberösterreicherin ist ihr Hang zum Schrägen und Skurrilen. Sie verbindet das Leichte mit dem Tragischen, schreckt dabei auch vor so mancher Vulgarität nicht zurück. Sie entfacht ein Metaphernfeuerwerk, wobei die eine oder andere Rakete nicht richtig zündet. Das macht aber nichts, die Lust an der Sprache ist deutlich spürbar, etwa wenn aus der Lebensgefahr der Lebensgefährte hervorgeht. Der titelgebende gemischte Satz fungiert als ästhetisches Motto: Ein bisschen von allem, sogar chaotisch, aber gerade dadurch auch charmant. Wieso das eine Novelle sein soll, der ein strenger Aufbau inhärent ist, erschließt sich zwar nicht, unterhaltsam und kurzweilig ist „Gemischter Satz“ auf jeden Fall.


Gemischter Satz
Novelle von Daniela Emminger

Czernin 2016.
104 S., geb., € 18,90
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