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Die letzte Partie - 01/2017

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Beziehungen in Bilderketten

„Die letzte Partie“, das Romandebüt von Regine Koth Afzelius, besticht vor allem durch die Sprache.
Am besten gelingt der Sprachwitz bei der Beschreibung sozialer Machtstrukturen im Alltagsleben.


| Von Evelyne Polt-Heinzl

Vom Klappentext sollte man sich in diesem Fall nicht abschrecken lassen: So simpel ist die Handlung von Regine Koth Afzelius’ Debütroman „Die letzte Partie“ nicht, auch die „krebskranke Herta“, die der von Adam und allen guten Geistern verlassenen Eva beisteht, ist keineswegs so plakativ eingebaut, wie man befürchten könnte. Vor allem aber geht es bei der Liebesverwicklungsgeschichte im Bobomilieu nicht primär um den Plot, das Spannende ist die Sprache, die der Klappentext als „sprühend“ bezeichnet. Das Adjektiv mag nicht ganz treffen, aber die 1962 in Wien geborene Autorin spielt hoch mit ihren Sprachbilderketten. Und auch wenn dabei manches ins Schiefe oder Banale kippt, in den besten Passagen gelingt ein aus der Sprache kommender Gegenkommentar zu Evas etwas klischeehafter Liebesleid-Geschichte.
Eine Zufallsbekanntschaft aus der Sushi-bar wird Evas Schicksal, denn Adam leidet am Don-Juan-Syndrom, das sich in der zeittypischen offenen Zweierbeziehung so praktikabel ausleben lässt. Eva aber will mehr, Adam flieht, Eva tröstet sich erfolglos mit einem etwas einfach gestrickten Tierarzt, Adam kehrt zurück, bis er wieder das Weite sucht und Eva in eine Depression verfällt. Mit Selbstfindungsseminaren und all den Wiese-Kuh-Baum-Meditationen, die einen Naturbezug in den Metropolengeist zwingen sollen, sucht Eva ratgebergerecht einen Ausweg aus ihrem Tief. Freundin Judith, eine perfekte Lebenscheckerin, ist zwar Psychotherapeutin, aber nicht wirklich eine Hilfe, vielleicht weil nicht wirklich Freundin. Der Tierarzt war ihre Idee, und das war keine besonders gute. Besser bewältigt seine Freundesaufgaben Evas homosexueller Jugendbekannter Erwin. Das Ende der Adam-Affäre verlagert sich in den virtuellen Love-Room, den hier nicht verratenen finalen Showdown, auf den die Geschichte zusteuert, lässt die Autorin dann klugerweise aus.

Überzeugender Auftakt

Überzeugend ist der Auftakt des Buches. Wie hier der smarte Adam „feierlich einen Fuß in ihren Abend“ und damit in Evas Leben stellt, wird mit grammatisch wie semantisch kippenden Fügungen beschrieben; mit den bildlichen Konfusionen werden Dynamik wie Dramatik dieser ersten Begegnung zugleich dargestellt und hinterfragt. „Es wuchs das Nebeneinander. … Bald bemerkten sie Festliches, richteten Spots aufeinander und strahlten. … Noch ganz Rätsel. Ihm senkte sich die Sehnsucht nach der Lösung ins System.“ Auch wenn die Treffgenauigkeit der Bildsprache nicht durchgehalten wird, stößt man doch immer wieder auf Szenen, in denen ein Blick hinter das Geschehen und hinter die Sozialmasken der Figuren möglich wird. Mitunter knicken Sprachpointen unter der Last unnötiger Gekünsteltheit auch ein. Wenn es über den Tierarzt heißt, er „war nicht mit Raffinesse ausgestattet, vielmehr mit tolpatschiger Ichbezogenheit, von der er kaum sich zu distanzieren wusste“, scheint der Stimmigkeit einer Personenbeschreibung die aufgesetzte Wortvertauschung unfreiwillig in die Quere zu kommen.
Am besten gelingt der Sprachwitz bei der Beschreibung sozialer Machtstrukturen im Alltagsleben, am wenigsten im Blick auf Evas Innenleben und ihre Therapien, als hätte es der Autorin hier an Distanz gefehlt. Der Roman ist aus Episoden zusammengefügt; wo sich die innere Notwendigkeit nicht ganz erschließt – etwa die Sadomaso-Inszenierung als Partyeinlage –, sind sie wohl als Zutat zum Porträt des wohlsituierten Freundeskreises gedacht. Angereichert ist der Roman mit literarischen Anspielungen, viele davon werden in Suchrätsel-Manier nicht aufgelöst, wie der klassische Doderer-Satz auf Seite 99, der auch einer Rezension gut ansteht: „Im Grunde sind das lauter Gemeinheiten.“


Die letzte Partie
Roman von Regine Koth Afzelius 
Müry
Salzmann 2016. 208 S., geb.,
€ 19,–
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