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Little Miss Florida - 01/2017

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Mädchenwelten, gar nicht rosarot

Lektorix des Monats

| Von Franz Lettner

„Land ist keine Selbstverständlichkeit“. Dieser Satz, den Mr. Straphopoulos seinen Schülern zu predigen pflegte, wird in seiner Tragweite erst klar, wenn man weiß, dass er kleine Rettungsschwimmer wie die zehnjährige Raymie ausgebildet hat, bevor er weggezogen ist. Dass vieles andere ebenfalls nicht selbstverständlich ist, etwa die Abwesenheit von Angst oder die Anwesenheit von Vätern, hat Raymie gerade erst erfahren, Louisiana und Beverly wissen das schon länger. Der Mangel an dem, was für Kinder selbstverständlich sein sollte, bringt die drei Mädchen rund um einen Wettbewerb eines örtlichen Reifenhändlers zusammen: Raymie will „Little Miss Florida“ werden, weil sie hofft, dass ihr Foto in der Zeitung ihren Vater, der mitten in der Nacht mit seiner Zahnhygienikerin durchgebrannt ist, zurückbringen könnte. Louisiana, die als Waise mit ihrer mittellosen Großmutter lebt und „bis oben voll mit Federn und Bedauern“ ist, hat Angst, dass sie in ein Heim kommt, wenn ihre Oma weiterhin Essen klaut. Und Beverly schließlich, Tochter einer ehemaligen Schönheitskönigin und eines Polizisten, der weit weg von zuhause in NYC arbeitet, hat vor nichts und niemanden Angst, ist dafür aber voller Wut – sie will den Wettbewerb boykottieren.

Skurrile Szenen, warmer Erzählton

Die „Glorreichen Drei“ bilden die Vorhut einer „Parade der Gescheiterten“, der sich auch fast alle Nebenfiguren anschließen könnten: ein Hausmeister, der für seinen entflohenen Vogel Chopin spielt; eine alte Frau, die mitten auf der Straße sitzt, bis sie stirbt; eine Sekretärin, die gerne Menschen füttert und ihnen dabei einredet, alles werde gut.
So viel Verlust bei den Helden – und was für ein Gewinn für die Leser von Kate DiCamillos neuem Buch. Die vielfach ausgezeichnete Autorin siedelt ihre Geschichte in ihrer Heimat in den 1970er-Jahren an, zur zeitlichen Distanz kommt hierzulande auch noch eine geografische. Für mehr Irritationen aber sorgt das Cover: Dies ist nicht eine in rosarot gefärbte Mädchenfreundschaftsgeschichte aus dem sonnigen Florida, wie die Umschlagillustration von Katrin Engelking und der deutsche Titel suggerieren, sondern ein Blick in die gar nicht heile Welt dreier Kinder, die über ihre Verlusterfahrungen Freundinnen werden und sich gegenseitig retten. Auch wenn am Ende die Erkenntnis steht: Väter verlassen mitunter ihre Frauen und Töchter und kommen nicht zurück. Dass die Lektüre trotzdem beglückend ist, hängt am warmen Erzählton und der offensichtliche Liebe der Autorin zu ihren Figuren, an skurrilen kleinen Szenen und einem märchenhaften Einschlag, wie er bei Kate DiCamillo oft vorkommt. Das alles sorgt dafür, dass man in dieser Geschichte nicht ertrinkt, sondern – im Gegenteil – Land sieht. „Das war das Seltsamste überhaupt, wie Glück aus dem Nichts kommen und die Seele überfluten konnte.“


Little Miss Florida
Von Kate DiCamillo.
Aus dem Engl. von Sabine Ludwig

dtv 2016. 232 S., geb.,
€ 13,40
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