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Ihr werdet euch noch wundern - 23/2013

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Der alte Hexenmeister

„Ihr werdet euch noch wundern“: Alain Resnais gelingt mit Hilfe von Jean Anouilhs „Eurydice“ ein grandioses Vexierbild von Schein und Sein.

Von Otto Friedrich

Wenn der alte Hexenmeister ruft, dann kommen sie alle: Michel Piccoli, Pierre Arditi, Mathieu Amalric, Sabine Azéma, Lambert Wilson, Anne Consigny – um nur einige aus dem guten Dutzend zu nennen. Einen Gutteil der Crème de la Crème französischer Schauspielkunst konnte Alain Resnais dazu bewegen, in seinem jüngsten Film „Ihr werdet euch noch wundern“ sich selber zu spielen. Und das Opus des soeben 91 Gewordenen wirkt auch gleich wie dessen augenzwinkerndes Vermächtnis.
Theater und Film changieren darin ebenso wie Schein und Wirklichkeit. Und der Regie-Altmeister zieht alle Register seiner dramaturgischen Fähigkeiten, um die Geschichte von „Ihr werdet euch noch wundern“ in Szene zu setzen. Ein liebenswerter (Ab-)Gesang auf das französische Schauspiel ebenso wie die implizite Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens, die aber durch das Theater bzw. den Film durchbrochen werden kann.

Reale Schauspieler und ein fiktionaler Autor

Dreizehn – real existierende – Schauspieler lässt der gefeierte – fiktionale – Dramatiker Antoine d’Anthac nach seinem Tod in sein Landhaus einladen. Dort teilt er den angereisten Damen und Herren per Video mit, dass eine junge Schauspieltruppe ihm einen Proben-Mitschnitt seines Erfolgsstücks „Eurydice“ geschickt hat. Die Versammelten, die die Adaption des Orpheus-Mythos längst und oft gespielt haben, mögen entscheiden, ob ihre jungen Kollegen das Stück so, wie sie es wollen, aufführen dürfen.
Gleich zwei ehemalige Eurydices und zwei einstige Orphées sitzen da – und im Nu mischt sich die „Jury“ ins Spiel ein. Die Älteren erinnern sich im Angesicht der Jungen ihrer eigenen Darstellungen, und alsbald verschwimmen die Ebenen vollends: „Eurydice“ wird auf diese Weise mindestens dreimal gespielt.
Resnais nimmt eine reale Theaterbearbeitung des Orpheus-Mythos, um dieses cinemato-graphische Vexierbild zu entwickeln: Das viel gespielte „Eurydice“ von Jean Anouilh aus dem Jahr 1941 ist Grundlage des Plots, an dem sich die älteren Herrschaften ebenso abarbeiten wie die jungen Kollegen.
Natürlich, so muss man hinzusetzen, bedarf es großer Abgeklärtheit, um diese Travestie eines bekannten Bühnenwerkes glaubhaft Revue passieren zu lassen. Und die haben sowohl die arrivierten Mimen, deren Ältester – Michel Piccoli – mit 87 Jahren ja nur einen Deut jünger als der Regisseur ist, wie natürlich Alain Resnais selbst.

Mit dem Schalk im Nacken

Man darf sich darauf freuen, dass diesem Alten der Schalk im Nacken sitzt, und dass er neben hehrer Verklärung der dramatischen Kunst dann auch noch eine unerwartete Wende bereithält, die nochmals zur Verschleierung der Wirklichkeitsebenen einlädt.
Aber hat nicht schon ein Altvorderer von Alain Resnais gedichtet, dass die ganze Welt eine Bühne sei und alle Männer und Frauen bloß Spieler darauf. Wer eine zeitgenössische Version des Shakespeare’schen Diktums in Spielfilmlänge genießen will, der ist mit Alain Resnais letztem Opus „Ihr werdet euch noch wundern“ in jeder Hinsicht gut bedient.


Ihr werdet euch noch wundern (Vous n’avez encore rien vu)
F/D 2012. Regie Alain Resnais.
Mit Sabine Azéma, Anne Consigny, Pierre Arditi, Lambert Wilson. Michel Piccoli, Mathieu Amalric.
Thimfilm. 105 Min.
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